Österreich wird zum energiepolitischen Entwicklungsland
8.6.2006Sharp Electronics ist der grösste Solarmodul-Produzent der Welt- Robert Mayr, Sales Manager Sharp Solar Business-Group Deutschland/Österreich im Interview
Seit 40 Jahren ist Photovoltaik eine bewährte Technologie. Gerade die Photovoltaik hat ein riesiges Potential um beste Effizienz zu erreichen. Trotzdem setzt Österreich derzeit nicht auf diese bahnbrechende Zukunftstechnik- durch die derzeit noch geltende Ökostromregelung wurde die Förderung von Solarstromanlagen auf 15 MW gedeckelt- auch durch das neu geplanten Ökostromgesetz ist keine große Verbesserung zu erwarten. Sharp Solar stellt trotzdem auf mehreren österreichischen Messen seine Produkte vor, wir haben die Hintergründe nachgefragt.
OEKONEWS: Herr Ing. Mayr, was sind die wesentlichsten Vorteile dieser Technologie?
Mayr: Solarstrom bringt dezentrale Arbeitsplätze, Photovoltaik kann auf die Dächer von unzähligen Häusern montiert werden, auch im kleinsten Dorf –so spricht sich der Einsatz Erneuerbaren Energie schneller herum. Das sind flächendeckende Arbeitsplätze für das Gewerbe. Außerdem funktioniert die Stromerzeugung total leise, ohne irgendwelche Beeinträchtigungen der Umwelt.OEKONEWS: Sharp- ein japanisches Unternehmen- bleibt da nicht die Wertschöpfung im Konzern vor Ort?
Mayr: Nein, es ist Fakt, dass die Herstellung der Solarzelle nur ein kleiner Teil der Produktion ist, die gesamte nachgelagerte Wertschöpfung bleibt in dem Land, wo die Anlage montiert wird.OEKONEWS: Und wie sehen Sie die Lage in Österreich derzeit?
Mayr: Für mich ist es absolut unverständlich, das ein Land wie Österreich, das vom Klimawandel extremst betroffen ist bzw. sein wird, denn vor allem in den Alpenregionen wird dieser Wandel starke Auswirkungen haben, nicht auf diese zukunftsweisende Technologie setzt und das total verschläft. Rund um Österreich ist alles in Bewegung, in Deutschland hat es im letzten Jahr keinen Bereich gegeben, in dem mehr neue Arbeitsplätze entstanden sind, der italienische Markt wächst vehement. So wird Österreich zum energiepolitischen Entwicklungsland. Die anderen Länder werden Österreich in Kürze in vielen Umwelttechnikbereichen überholen, wenn man mit einem Ökostromgesetz so wie in Österreich derzeit, auf eine solche Bremse tritt.OEKONEWS: Warum sind Sie dann noch am österreichischen Markt?
Mayr: Unser Anliegen ist auch Aufklärung, wir wollen auch für erneuerbare Energie generell werben, um die Leute wachzurütteln. Wegen dem Geschäft hätten wir eigentlich keinen Anlaß, hier in Österreich als Sharp Solar auf Messen vertreten zu sein, Wir sind einfach da, weil uns diese Sache am Herzen liegt. Wenn ich vergleiche, wie gut es mit der Solarthermie in Österreich aussieht, kann ich mich nur wundern, wieso die Photovoltaik da nicht mehr Stellenwert hat, Österreich liegt südlicher und höher als Deutschland, das heißt,für die Photovoltaik wären die Bedingungen sogar besser als dort. Drei Stunden Sonnenenergie auf Österreich – diese Energiemenge würde ausreichen, um den gesamten österreichischen Energiebedarf nur mit der Sonne für ein ganzes Jahr zu decken. Und auch die Einstellung der österreichischen Bevölkerung sollte man nicht unterschätzen,.die Österreicher sind viel offener und aufgeschlossener für Erneuerbare Energien als es die deutsche Bevölkerung bei der Einführung des Erneuerbaren Energien Gesetzes war. Das Umweltbewusstsein der Österreicher ist stark ausgeprägt. Da ist es doppelt unverständlich, wenn von der Bundespolitik nicht entsprechend agiert wird.OEKONEWS: Und wie sieht es mit den Kosten des Ökostroms aus?
Mayr: In Deutschland beträgt der Kostenanteil für einen 4-Personenhaushalt rund 1 Euro per Monat. Allein der Preis des regulären Stroms ist in Österreich um 19% innerhalb eines Jahres gestiegen. Was steckt an Subventionskosten in ganz normalen, nicht erneuerbaren Kraftwerken? Davon weiß die Öffentlichkeit gar nichts.Und die Umweltfolgekosten für eine Volkswirtschaft- auch davon spricht keiner. Oder wenn wir uns den Spitzenstrompreis anschauen, an den Strombörsen, da ist auch die „geförderte“ kwh Solarstrom noch viel billiger- und Photovoltaik ist Spitzenstrom.
OEKONEWS: Und warum noch auf Photovoltaik setzen?
Mayr: Es geht auch darum, eine entsprechende Markteinführung zu gewährleisten. Ist man bei einer Technologie von Anfang an dabei, so hat man die größten Möglichkeiten zur Verbesserung. Es ist einfach Wahnsinn, international auf Förderprogramme wie z.B. die Kernfusion zu stecken, von denen wirklich niemand genau weiß, ob und wann sie funktionieren. Die Erneuerbaren Energien, und dabei auch die Photovoltaik, funktionieren, das wissen wir. Sie können sofort und schnell eingesetzt werden- es gibt keine Umweltprobleme und keine Unsicherheitsfaktoren. Jeder Private kann, wenn er das will, schon jetzt dezentral seine Strom erzeugen. 380 kV-Leitungen brauche ich auch keine mehr. Egal ob in der Stadt oder am Land. Für mich ist es absolut unbegreiflich, dass sich Österreich da bei den gesetzlichen Vorgaben von Staaten wie Tschechien überholen lässt. Sowohl finanziell als auch technisch gibt es hier in Österreich entsprechendes Potential.OEKONEWS: Wie wollen Sie den Strom speichern?
Mayr: z.B. Photovoltaik mit Wasserstofftechnik verbunden, es gibt etliche Firmen und Forschungseinrichtungen, auch in Österreich, die sich mit Wasserstofftechnik beschäftigen. Mit erneuerbaren Energien könnte man Wasserstoff erzeugen.Das Potential für den gesamten Bereich ist da. Viele lokale Politiker – in Bundesländern und Gemeinden- haben dieses Potential ja bereits erkannt und sind sehr interessiert an diesem Bereich.
OEKONEWS: Wie sieht es international mit der Photovoltaik und Ökostrom aus?
Mayr: Eines ist klar, die Photovoltaik kann keiner mehr aufhalten. Die Frage ist nur: steige ich rechtzeitig ein. Also schadet sich Österreich nur selbst.Sogar China hat sich entschieden, das deutsche Gesetz in wesentlichen Teilen zu übernehmen, weil es auf längere Sicht das kostengünstigste System ist. Italien hat ein Einspeisegesetz, dessen Einspeistarif an den Strompreis gekoppelt ist, auch das spanische Gesetz ist noch besser als das Deutsche.
OEKONEWS: Was können wir tun?
Mayr: Sharp hat sich für sich selbst als Ziel gesetzt, bis 2010 mehr erneuerbare Energie mit Photovoltaik zu erzeugen als es derzeit für alle Fabriken weltweit benötigt. Das ist unsere ganz persönliche Unternehmensphilosophie, bei der wir uns ziemlich sicher sind, das wir das umsetzen.Das wichtigste ist: Wir müssen einfach die Leute wachrütteln- alle gemeinsam. Es geht um Aufklärung, die Technologie ist da.
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