© Hildegard Gottlieb - WWOOF
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Von der Buchhalterin zur WWOOF – Queen

Hildegard Gottlieb im Portrait

Über den Verein WWOOF („Abkürzung für: We're welcome on organic farms“ – deutsch: „Wir sind auf Bio-Bauernhöfen willkommen“)

Seit 1996 gibt es diesen Verein in Österreich, vorerst als Teil von WWOOF Deutschland und im September 1996 als eigenständiger Verein gegründet. Derzeit können interessierte Menschen rund 170 Bio-Bauernhöfe besuchen und dort für freie Kost und Unterkunft mithelfen und verschiedene landwirtschaftliche Fertigkeiten – vom Schafe scheren, Käse machen und Kräuter pflanzen bis zum Unkraut jäten - erlernen.
Der Verein ist zu 100% unabhängig, wird rein durch Beiträge und Spenden von WWOOF Mitgliedern und teilnehmenden Höfen finanziert. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich, auch wenn es mittlerweile ein full-time-Job für Hildegard Gottlieb geworden ist. Mittlerweile werden jährlich 700 Hoflisten und Rundbriefe versandt, Letztere mehrmals jährlich. Koordinatorin ist Hildegard Gottlieb, die auf die Hilfe vieler netter HelferInnen zählen kann.

Kurzportrait Hildegard Gottlieb

Die lebensfrohe Pensionistin hat selbst jahrelang einen großen Garten in der Steiermark liebevoll betreut und viele WWOOFerInnen aus aller Welt begrüssen können. Sie hat ihr Organisationstalent und die Computerkünste, die für ihren Verein unabdingbar sind, aus jahrzehntelanger Tätigkeit als Buchhalterin erlernt.
Mit Eintritt in ihre Pension hat sie den Verein gegründet und sich damit eine neue Welt eröffnet. Neben der umfangreichen Tagesarbeit führt sie unter anderem jährlich im April eine Hofrundfahrt durch, bei der sie die neuen Mitgliedshöfe besucht.

oekonews: Wie sind sie auf die Idee gekommen, WWOOF Österreich zu gründen?

HG: In der Kleinen Zeitung ist ein Artikel über WWOOF Deutschland gestanden, der mein Interesse an der freiwilligen Mithilfe auf Bio-Bauernhöfen geweckt hat. Die vielen Anfragen nach einem Radio-Interview auf Ö3, bei dem ich über WWOOF berichtete, haben mich dann bestätigt den Schritt zu gehen und WWOOF Österreich zu gründen. Das sind so die Sternstunden...

oekonews: Woher nehmen sie die Kraft für diese Tätigkeit?

HG: Es ist eine wunderbare Aufgabe, man trifft fabelhafte, spezielle Menschen. ‘Normale’ Bio-Bauern sind besonders, WWOOF-Bauern sind einfach ‘besonderer’. Da Geld für eine Freiwilligentätigkeit keine Rolle spielt, braucht man immer wieder ideelle Anerkennung und Zuspruch, was mir von vielen Seiten immer wieder entgegengebracht wird.

oekonews: Welche Erfolgserlebnisse haben sie besonders bestärkt, die Organisation aufzubauen?

HG: Mein größtes Erfolgserlebnis ist, dass WWOOF von den Bauern und mittlerweile rund 400 WWOOFerInnen jährlich so gut angenommen wird. Der uns 2001 verliehene Ford-Umweltpreis war eine weitere Ehrung für unsere Arbeit.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich von der Politik?

HG: Dass ich in Ruhe gelassen werde. Zur Gründung habe ich versucht, Fördergelder aufzutreiben, leider mühsam und erfolglos. Beim Start ist daher viel privates Geld in den Verein geflossen.
Ab 2001 kamen dann aber durch den Ford Umweltpreis und durch die steiermärkische Landesregierung insgesamt 5000 Euro in die Vereinskasse, was einen starken Wachstumsschub ermöglicht und unsere Arbeit erleichtert hat.

oekonews: Was möchten Sie unseren LeserInnen noch mitgeben?

HG: Ich setze sehr viel darauf, dass wir eine völkerverbindende Friedensbewegung sind. In Stadt und Land leben zwei verschiedene Menschengruppen, die durch WWOOF zusammengebracht werden. Es ist wichtig, dass Stadtmenschen erfahren, wie vieler Mühe es bedarf, gute Lebensmittel zu produzieren und damit ein Verständnis dafür bekommen, dass diese auch einen Mehrpreis wert sind. Von der Stadt aus idealisieren viele Menschen das bäuerliche Leben und werden dann vor die Tatsachen gestellt. WWOOF ist ein Austausch – zwischen verschiedenen Ländern, Sprachen und Menschen. Wer von der Stadt genug hat, kann sich eine kurze oder längere Auszeit vom grauen Alltag, auch mit Kindern, nehmen und die Bauernhöfe hautnah erleben. Das WWOOFen ermöglicht vor allem jungen Menschen, günstig zu reisen und eine Fremdsprache zu erlernen.

oekonews: Vielen Dank für das Interview, Frau Gottlieb. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und Spaß bei dieser schönen sinnvollen Aufgabe. Ein oekonews-Redaktionsmitglied hat bereits einmal eine Woche gewwooft, was eine tolle und bereichernde Erfahrung war.

Interessierte melden sich bei:

Hildegard Gottlieb
06765051639

http://www.wwoof.welcome.at.tf/

Tipp: Es gibt auch eine internationale WWOOF-Liste, wo man z.b. in Thailand WWOOFen kann, auch diese ist bei Hildegard Gottlieb erhältlich.

Die nächsten WWOOF-Termine:

10. Juni 2006: WWOOF-Wandertag in Wien am Cobenzl. 11. Juni 2006: Wiener Bauerngolfmeisterschaft. 16. Juli: WWOOF-Treffen in Vorarlberg

An jedem 2. Mittwoch und 2. Donnerstag im Monat gibt’s WWOOF-Infotage im Bauerngolfbüro in der Sapphogasse 20/1, 1100 Wien.



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