Alternativen, die sich rechnen

9.6.2005
80 alternative Nobelpreisträger formulieren zur Zeit in Salzburg ihre Zukunftsideen / Aufbruch in eine andere, nachhaltigere Welt

„ Es treffen sich couragierte Menschen, die angesichts von Fehlentwicklungen und Ungerechtigkeiten nicht wegschauen, sondern vielmehr den kritischen Zustand der Welt anerkennen und das tun, was möglich ist. Sie sind diejenigen, die Ja zu Träumen und Visionen sagen, die die gesamte Menschheit in sich trägt“. Dies erklärte Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer gestern bei einem Informationsgespräch zum Beginn der internationalen Konferenz „Alternativen, die sich rechnen“.
Aus Anlass der 25-Jahr-Feier des Alternativen Nobelpreises treffen 80 bisherige Preisträger aus 40 Nationen Salzburg aufeinander und diskutieren in den nächsten Tagen ihre Ansätze und Ideen zur Bewältigung der Probleme und Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft.
„Die Vorstellungen und Visionen der Preisträger der vergangenen Jahre stehen für einen Aufbruch in eine andere, nachhaltigere Welt. Sie zeigen aber auch auf, welchen Schaden unsere Umwelt erlitten hat und wie viele Millionen Menschen an Hoffnungslosigkeit, Rechtlosigkeit, Verzweiflung und Armut leiden. Dabei beziehen sich die Wirkungsbereiche der Preisträgerinnen und Preisträger auf die vielfältigsten Bereiche des menschlichen Lebens. Welchen Stellenwert der ‚Alternative Nobelpreis’ in unserer heutigen Zeit hat, lässt sich auch daran ableiten, dass man ihn längst mit dem wichtigsten Wissenschaftspreis der Welt, dem Nobelpreis, vergleicht“, so Haslauer weiter.

Morgen finden insgesamt 65 Begegnungsveranstaltungen statt, die sich mit den diversen Themen der Preisträger beschäftigen. Damit werden die ‚Helden der Gegenwart’ und ihre Visionen und Zukunftsvorstellungen zum Multiplikator in unserer Gesellschaft.

Uexküll: Alternativen für das neue Jahrtausend

Der Nobelpreis repräsentiert das Fortschrittsideal des vergangenen Jahrhunderts. Der Right Livelihood Award wie der Alternative Nobelpreis offiziell genannt wird, repräsentiert den Fortschritt des neuen Jahrtausends“, betonte der Gründer des Alternativen Nobelpreises, Jakob von Uexküll. Die Treffen zum Alternativen Nobelpreis seien in Salburg bereits Tradition geworden, nachdem schon das 20-Jahre-Jubiläum des Preises hier stattfand. Salzburg zähle mit Prof. Leopold Kohr und Prof. Robert Jungk zwei Alternative Nobelpreisträger als Söhne dieser Stadt. Die Region Salzburg mit ihrer starken Bio-Landwirtschaft, ihrer heimatverbundenen und zugleich globalen Kultur repräsentiere unsere gemeinsame Zukunft viel eher als z.B. das heutige China, wo das Wirtschaftswachstum schon jetzt an seine ökologischen Grenzen stößt.
Robert Jungk und Leopold Kohr waren die bisherigen österreichischen Preisträger, „Robert Jungks Zukunftswerkstätten erinnern daran, dass wir unsere Zukunft nicht den Experten überlassen müssen oder dürfen. Leopold Kohr mahnte, zum menschlichen Maß zurückzukehren – in der Wirtschaft, der Politik, den Wissenschaften –, weil wir nur so das Vertrauen ineinander bewahren, den Überblick behalten können und sicherstellen, dass unsere Fehler reparabel bleiben“, so Uexküll. Menschliches Maß heiße nicht kleinkariert oder provinziell. „Kohr war ein Weltbürger, wie seine Heimatstadt Salzburg eine Weltstadt ist. Aber er wusste, dass Globalisierung und unbegrenztes Wachstum im Bereich des Austauschens von Ideen gehören, aber sonst sehr kostspielig und unmenschlich werden können“.

Weltweiter Austausch von Perspektiven

„Neben dem Tag der Begegnung mit den Alternativen Nobelpreisträgern bei 65 Veranstaltungen in Stadt und Land Salzburg der morgen stattfindet, gibt es bei der Konferenz in St. Virgil Salzburg eine einzigartige Gelegenheit, sich mit den Preisträgerinnen und Preisträgern aus aller Welt über gegenwärtige Herausforderungen und Perspektiven auszutauschen“, stellte der Direktor des Bildungs- und Konferenzzentrums St. Virgil, Mag. Peter Braun die Hauptveranstaltung des Treffens vor.

Den Auftakt am Samstag bildet eine Eröffnungsrede von Jakob von Uexküll, Stifter und Gründer des Alternativen Nobelpreises. Nach einem Impulsreferat von Helena Norberg-Hodge (Preis 1986) mit dem Titel: „Veränderung vom Globalen zum Lokalen – eine Vision für spirituelle, soziale und ökologische Erneuerung“. Unter den Anwesenden sind auch Amory und Hunter Lovins die den Alternativen Nobelpreis als Pioniere der Nutzung sanfter Energie zugunsten globaler Sicherheit sowie dafür, dass sie aufgezeigt haben, dass Energieeinsparung, die Nutzung erneuerbarer Energieressourcen sowie deren dezentrale Nutzung nicht nur ökologisch anstrebenswert, sondern auch ökonomisch sinnvoll sind“ erhielten sowie Hermann Scheer, der unseren Lesern ohnehin schon bekannt ist. Auch Alla Yaroshinskaya, aus Russland, die als Journalistin nach dem Unfall von Tschernobyl die Lügen und zurückgehaltenen Daten der sowjetischen Behörden aufdeckte.

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel.


Selbst einen Kommentar verfassen oekonews übernimmt keine Verantwortung und Haftung für die Kommentare.


Artikel Online geschalten von: / holler /

Artikel senden Artikel drucken