© wobogre  /  Wolfgang Borchers- pixabay.com
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Das verbleibende Treibhausgas-Budget für Österreich

Studie des Wegener Centers an der TU Graz - indirekt eine klare Aufforderung an die kommende Bundesregierung - min. 18 Jahre für den Ausstieg aus fossilen Energien

Zum Hintergrund

Österreich hat im Jahr 2016 das Pariser Klimaschutzübereinkommen unterschrieben, in dem das Ziel verankert ist, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2°C, wenn möglich auf unter 1,5°C, zu beschränken.

Bedingt durch die lange Verweildauer von Treibhausgasen in der Atmosphäre (CO2 z.B. mehrere hundert Jahre), ist der Effekt der kumulierten Emissionen über eine Zeitspanne von Bedeutung. Zur Sichtbarmachung dieses kumulierten Effekts eignet sich das Konzept des Treibhausgasbudgets. Das Treibhausgasbudget ist jene Menge der Treibhausgasemissionen aus anthropogenen Quellen, die seit Beginn der Industrialisierung freigesetzt wurde bzw. noch freigesetzt werden kann, um eine Temperaturerhöhung über 2 °C bzw. über 1,5 °C mit einer Wahrscheinlichkeit von zumindest zwei Drittel zu vermeiden.

Hinweis: Die Treibhausgas-Emissionen in Österreich liegen bei 78,9 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent. Die Emissionen lagen damit um 0,1% über dem Wert von 1990.

Verbleibendes Treibhausgasbudget zur Zielereichung - bis 2035 auf Null? - Ausstieg aus fossilen Energieträgern

Im ersten Ansatz wird das Budget in der globalen Zuteilung vom heutigen Emissionsniveaus jedes Landes ausgehend so festgelegt, dass die Emissionen linear bis zum Jahr 2050 auf ein dann einheitliches Emissionsniveau pro Kopf geführt werden (im Fall Österreichs müssten die Emissionen deutlich reduziert werden). Nach diesem Ansatz (‘Verringerung und Konvergenz’) ergibt sich ein Treibhausgasbudget für Österreich von rund 1.500 Mio t CO2äqu für den Zeitraum 2017-2050.

Mit dem noch verfügbaren, deutlich geringeren Budget gilt es nicht nur für die verbleibende längere Zeitspanne von 33 Jahren auszukommen, sondern zugleich auch die Netto-Emissionen bis zur Jahrhundertmitte auf nahe Null zu senken. Eine Beibehaltung heutiger Emissionsniveaus braucht das Budget Österreichs bereits deutlich früher auf (2035), wie auch eine zu geringe Senkung derselben es vor 2050 auf braucht. Es ist daher notwendig, dass in den kommenden drei Dekaden eine umfassende Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft so gestaltet wird, dass auch die österreichischen Treibhausgasemissionen in diesem Zeitfenster auf netto nahe Null reduziert werden.

In einem zweiten Ansatz kann das Budget nach dem Gleichheitsprinzip, und zwar nach einer bereits ab einem bestimmten früheren Zeitpunkt gleichen Verteilung pro Kopf der Weltbevölkerung zugeteilt werden. Diese Verteilung des global verfügbaren Gesamtbudgets aufgrund der Bevölkerungszahl bedeutet, dass alle Staaten gleiche, über den festgelegten Zeitraum kumulierte, pro-Kopf Emissionen zugeteilt bekommen. Mit Inkrafttreten des Pariser Abkommens im November 2016 ist die Zuteilung ab dem Jahr 2017 naheliegend. Es ergibt sich nach diesem Prinzip ein für Österreich verfügbares Treibhausgasbudget für den Zeitraum 2017 bis 2050 in Höhe von knapp 1.000 Mio. t CO2 äqu. Würden zudem auch die historischen (global überdurchschnittlich hohen) Pro-Kopf- Emissionen Österreichs berücksichtigt, oder würden auch der zukünftig fallende globale Bevölkerungsanteil Österreichs herangezogen, so wäre da jeweils verfügbare Treibhausgasbudget nochmals geringer.

2°C global heißt in Österreich +4,5 bis 6,6 Grad Celsius

Der aktuelle Wissensstand geht davon aus, dass mit dem hier zugrunde gelegten globalen Budget eine Begrenzung innerhalb 2 Grad Celsius globaler Temperaturerhöhung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gewährleistet ist. Eine Erhöhung im globalen Schnitt um zwei Grad bedeutet für Österreich eine Temperaturerhöhung im Bereich von 4,5 bis 6,6 Grad Celsius.

Quelle: Scientific Report No.72-2017 / Oktober 2017
Lukas Meyer und Karl Steininger, Das Treibhausgas-Budget für Österreich
Oktober 2017, Wegener Center Verlag Graz, ISBN 978-3-9503918-8-6
egcenter.uni-graz.at/de/wegener-center-verlag/2017


Artikel Online geschalten von: / wabel /