© Gerd Altmann / geralt- pixabay.com
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Atomkraft am Ende: Gefährlichen Mochovce-Neubau beenden

GLOBAL 2000 warnt anlässlich der Veröffentlichung des World Nuclear Industry Status Reports vor gefährlichstem AKW-Projekt Europas

Paris- Heute wird in Paris das jährliche Update des World Nuclear Industry Status Reports der unabhängigen Atomkraft-Experten Mycle Schneider und Antony Froggatt vorgestellt. Der weltweite Niedergang der zivilen Atomindustrie beschleunigte sich im letzten Jahr weiter: zwei Reaktorbauer, die französische Areva und die japanisch-US-amerikanische Westinghouse Nuclear mussten Bankrott anmelden bzw. vom Staat aufgefangen werden, zwei AKW-Bauten in den Vereinigten Staaten wurden im Sommer 2017 aus Kostengründen mitten im Projekt aufgegeben. Mit der Entscheidung Süd-Koreas im Juni 2017, aus der Atomenergie auszusteigen, fällt mit Kepco ein weiterer internationaler Reaktorbauer weg - der weitere Niedergang ist vorgezeichnet.

"Atomkraft ist schon lange die teuerste und gefährlichste Art, Wasser zu kochen - Erneuerbare Energieträger wie Solar und Wind sind einfach billiger, schneller zu bauen, und natürlich sauberer und sicherer als die Hochrisiko-Technologie Atomkraft", erklärt Dr. Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. "Die Gefahr eines AKW-Neubaus besteht weltweit nur mehr, wenn einzelne Staats-Eliten sich unbedingt eine mächtige Atomindustrie einkaufen und dann trotz katastrophaler wirtschaftlicher und sicherheitstechnischer Rahmenbedingungen Bauprojekte unbedingt durchziehen wollen. Ein konkretes Musterbeispiel dafür steht leider vor unserer Haustür, im slowakischen Mochovce - dies gilt es nun zu verhindern."

Meltdown: Niedergang der weltweiten Atomkraft

Weltweit laufen mit Stand heute 448 Atomreaktoren, davon in Europa 127 - vor sieben Jahren waren es noch 140, ein Rückgang um dreizehn Reaktoren. Der Niedergang der Atomindustrie ist nicht nur Folge von großen Nuklearkatastrophen wie Fukushima, sondern auch der Überalterung der Reaktorflotte wegen der Unwirtschaftlichkeit von Neubauten: Durchschnittlich sind die weltweiten AKWs bereits mehr als 29 Jahre in Betrieb, mit der Alterung der unter enormen Druck und radioaktivem Beschuss stehenden Komponenten kommt es vermehrt zu Schnellabschaltungen und Störungen der Versorgungssicherheit von ganzen Staaten. Ein Beispiel dafür ist Frankreich zu Beginn 2017, wo aufgrund eines weitgreifenden Betrugs-Skandals beim Reaktorbauer Areva und Sicherheits-Bedenken wegen alternder Komponenten gleich neun Reaktoren durch die Atomaufsicht vom Netz genommen werden mussten und damit das französische Netz für Wochen am Rande des Blackouts betrieben werden musste.

Mochovce: Beispiel verfehlter Nuklearpolitik

Ein Beispiel für die wirtschaftlichen, technischen und rechtlichen Probleme der Nuklearindustrie findet sich in Grenznähe zu Österreich im 122 Kilometer von Wien entfernten Mochovce: Die aus der Sowjetzeit stammenden Reaktoren 3 und 4 waren jahrzehntelang eingemottet, der Beschluss zum Weiterbau der teilfertiggestellten Reaktoren in Teil-Staatseigentum war ein politischer. Nachdem ursprünglich die Fertigstellungskosten mit 2,8 Milliarden Euro veranschlagt waren, kam es zu immer neuen Kostensteigerungen und Verzögerungen - mittlerweile mussten die Aktionäre die fünfte Kostensteigerung auf derzeit 5,4 Milliarden Euro und damit fast eine Verdoppelung des Budgets zulassen und streiten über die Verantwortung. Massive technische Probleme beim Bau führen zu immer neuen Verzögerungen des Projekts, derzeit um sechs Jahre. Rechtlich bedenklich ist besonders der Umgang mit der durch das Projekt betroffenen SteuerzahlerInnen, so wurden fast sämtliche technisch relevanten Dokumente unkenntlich gemacht (geschwärzt), womit eine technische aber auch wirtschaftliche Beurteilung des Projekts und seiner Folgen unmöglich gemacht wurde. Dazu kommt der sicherheitstechnische Aspekt: überhöhte Tritium-Ausleitungen der bestehenden Reaktoren sind weiter nicht aufgeklärt, leckende Brennelemente werden in der Betriebsführung mehrere Jahre im Reaktorkern belassen.

"Mochovce ist eine von nur vier Reaktorbaustellen in Europa - auf allen gibt es massive technische und wirtschaftliche Probleme und Verzögerungen, das französische Projekt könnte aus technischen Gründen noch scheitern. Wir unternehmen mit slowakischen und österreichischen Partnern bereits Rechtsschritte gegen den Weiterbau und fordern die bestehende Bundesregierung unter Kanzler Kern auf, sich nachdrücklich gegen den Weiterbau und für die 2010 zugesagte grenzüberschreitende Prüfung zu engagieren, wie es auch 12.000 Menschen über unsere Website getan haben", so Uhrig abschließend.

Mochovce geschwärzte Dokumente

Mochovce E-Protest:
World Nuclear Industry Status Report 2017



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