© Josch13/ pixabay.com
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5-Punkte-Plan für Neubeginn einer Klimaschutzoffensive in Österreich

Weltweite Klimakrise wird immer dramatischer - auch Österreich ist betroffen. LR Anschober stellt Plan zu Klimaschutz vor.

Das Klima verhandelt nicht über Klimaziele, sondern es verändert sich rapid und verstärkt dadurch Extremwetterereignisse auf der ganzen Welt. Wir befinden uns mitten in einer schweren Klimakrise mit aktuell Millionen vertriebenen Menschen, tausenden Todesopfern und gigantischen überfluteten Flächen. Enorme Fluchtbewegungen sind eine der Folgen. Dafür mitverantwortlich sind auch Klimaleugner und wesentliche Teile der Politik, die die notwendige Klimaschutzoffensive blockieren und verzögern.

Renommierte internationale Wissenschafter/innen sehen drei Jahre, um mit konsequenten Maßnahmen zu starten. Wer jetzt weiter blockiert, wird zum Mittäter im Sinn von Mit-Verantwortung. Oberösterreichs Klimaschutz-Landesrat Rudi Anschober fordert daher Sofortmaßnahmen und legt einen 5-Punkte-Plan vor für Österreich und Oberösterreich. Eine
konsequente Klimaschutzoffensive muss das zentrale politische Projekt Österreichs und Oberösterreichs für die nächsten Jahre werden!

2016 war international das heißeste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Erstmals seit einer Million Jahren wurde die Grenze von 400ppm an Konzentration der Treibhausgase kontinuierlich überschritten. Enorme Rekordtemperaturen wurden vor
allem im arktischen Eis verzeichnet.
Steigende Wassertemperaturen in den Ozeanen bringen höhere Mengen aus aufsteigendem Wasserdampf. Dies ist die Hauptenergiequelle von Extremstürmen. So verstärkt die steigende Temperatur durch die Klimaveränderung Extremstürme wie jene der
letzten Tage. ( Quelle: http://www.climatecentral.org/gallery/graphics/hurricanes-and-climatechange-what-we-know)


Das heurige Jahr ist bislang weltweit das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Auch in Oberösterreich ließen die sommerliche Hitzewelle bzw. die vielen heißen Tage und Nächte im Jahr 2017 niemanden mehr unberührt – sowohl gesundheitlich merkt man die Hitze-Folgen, bei Tieren und Pflanzen, in überhitzten Wohnräumen, in der Landwirtschaft etc. Insgesamt wurden 2017 in Linz bisher 22 Hitzetage mit über 30 Grad Celsius gezählt. Im Vergleich zu 11 Hitzetagen im ganzen Jahr im Durchschnitt der letzten Jahre.
Der Sommer 2017 war besonders warm, im Durchschnitt ca. 2 Grad wärmer als im 30-jährigen Klimamittel (1981-2010). Besonders warm war der Juni mit 3 Grad über dem Klimamittel. Selbst auf den Bergen in 1.600 Meter Höhe war der Sommer knapp über 2 Grad zu warm.

Das Wettergeschehen dieses Sommers trifft die aktuellen Klimaprognosen für die nächsten Jahrzehnte recht gut: Es wird wärmer und die Wetterphasen verlängern sich. Gab es früher noch aller 4 Tage einen Wetterumschwung, dauern die Wetterlagen in Zukunft länger an, was zu längeren Hitzeperioden und längeren (und stärkeren) Niederschlägen führt. Speziell im Sommer kann sich der Hochdruckgürtel vom Mittelmeerraum zukünftig immer häufiger bis über die Alpen ausdehnen, was für etwas trockeneres, sonniges Wetter sorgt. Jedoch haben wir das Glück am Rande der Alpen zu wohnen: Hier wird sich auch weiterhin die Luft stauen, dabei aufsteigen und abkühlen und letztendlich als Regen niedergehen. Das heißt: Voraussichtlich wird es in den Niederungen trockener werden, im Gebirge und Alpenvorland könnten die Niederschläge in Summe gleich (oder sogar mehr werden).

Aufgrund der steigenden Temperaturen wird die Atmosphäre mehr Wasserdampf speichern können, was zu kräftigeren Gewitter führenkann (mehr Hagelschäden und lokale Starkregenereignisse).
Die Unwetter mit Extremniederschlägen, Hagel, Stürmen, Dürre nehmen in den letzten Jahren schon rasant zu, dies zeigt sich ganz konkret z.B. auch schon bei der enormen Zunahme der
Unwettereinsätze der Freiwilligen Feuerwehren: Im Jahr 2016 verzeichnete das Oö. Landesfeuerwehrkommando 10.837 Einsätze bei Aufräumarbeiten nach Elementarereignissen, bei Auspumparbeiten nach Unwettern, dem Entfernen von Gefahren oder dem Freimachen von Verkehrswegen, von insgesamt 53.456 Einsätzen.

2017 brachte bisher 6.787 Einsätze nach Unwetterereignissen, davon allein rund 1.000 Einsätze mit mehr als 8.000 Einsatzkräften von rund 500 Feuerwehren nach der Sturmfront von Mitte August.
Für den Fall fehlender Klimaschutzoffensiven liegen weitere dramatische Prognosen für OÖ vor. Nach Erhebungen der Universität für Bodenkultur könnten im Worst Case-Szenario die Zahl der Hitzetage bis Ende dieses Jahrhunderts in Linz auf 100 verzehnfacht werden- eine Klimasituation wie in Südspanien.

Die Oberösterreicher/innen fordern daher vehement eine Klimaschutzoffensive: laut SORA-Umfrage vom Juni sagen 74 %, dass die Klimaveränderung eine ernste Bedrohung für Oberösterreich ist und fordern 83 %, dass die Landesregierung wegen der Klimaveränderung Maßnahmen zum Klimaschutz absoluten Vorrang geben soll.

Totalversagen der Bundesregierung - sie hat nicht einmal einen Plan!

Vor kurzem wurde der aktuelle Klimaschutzbericht 2017 vorgelegt, der die Untätigkeit dokumentiert: Statt Emissionen einzusparen, betrugen die Emissionen im letzten untersuchten Jahr 2015 rund
78,6 Millionen Tonnen und damit um 3,2 Prozent oder 2,5 Millionen Tonnen mehr als 2014 und sogar um 0,1 Prozent mehr als vom Wert von 1990 - dem Startjahr der Kyoto-Periode und damit dem Startjahr der Klimaschutzverpflichtungen. Ein Debakel!
Ein Totalversagen, das bereits jetzt zu massiven Schäden führt - auch zu wirtschaftlichen! Der offizielle Klimaschutzbericht des Umweltbundesamtes zitiert die Costs-of-inaction Studie des Volkswirtschafters Karl Steininger vom Wegener Center für Klima und globalen Wandel: schon heute verursacht der
Klimawandel Kosten von einer Milliarde Euro pro Jahr in Österreich, bis Mitte des Jahrhunderts werden sich diese bei Fortsetzung des aktuellen Kurses auf im Schnitt 5 bis 9 Milliarden Euro steigern - der
Finanzierungsbedarf einer Steuerreform - und das jedes Jahr.

Auch im EU-Schnitt ist Österreich mit diesem Debakel ein Schlusslicht: Großbritannien hat die Emissionen seit 1990 etwa um 34 Prozent gesenkt, Deutschland und Dänemark um 28 Prozent,
Italien um 20 Prozent, die EU im Schnitt um 24,4 Prozent. Österreich hingegen überhaupt nicht!

Klimakrise bringt dramatische Flüchtlingsbewegung


Eine entsprechende Auswirkung auf die Fluchtbewegung wird auch vom offiziellen österreichischen Klimabericht bestätigt: ‘Ferner wird der Migrationsdruck aus südlichen Ländern, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, zunehmen. (...) alleine in Asien und Afrika rechnet man bis 2020 mit 74 bis 250 Millionen betroffenen Menschen."

Top-Wissenschafter und Diplomaten sehen noch drei Jahre Zeit, um die schlimmsten Folgen zu vermeiden

Sechs führende Wissenschafter/innen und Diplomat/innen - um Stefan Rahmstorf – haben einen offenen Brief verfasst, in dem sie Sofortmaßnahmen bis 2020 einfordern, um die schwersten
Folgewirkungen der Klimakrise doch noch vermeiden zu können (in den Bereichen E-Mobilität, Energiewende, Einleitung des Ausstiegs aus den fossilen Energieträgern und ein drastisches Verringern der Abholzungen der großen Wälder).

5-Punkte-Plan zum Klimaschutz

Oberösterreichs Klimaschutz-Landesrat Rudi Anschober fordert daher Sofortmaßnahmen in Österreich, um das Klimaschutzdebakel zu beenden und appelliert in einem Schreiben an alle Regierungskolleg/innen um aktive Beiträge.

Anschobers 5-Punkte-Plan:

1. Einigung auf eine österreichische Klimastrategie und Veröffentlichung dieser Strategie vor den Nationalratswahlen – die internen Entwürfe liegen vor, es braucht ‘nur’ eine politische Einigung.
2. Erarbeitung eines Masterplans mit Maßnahmen zum Erreichen des Weltklimavertrages in Österreich (minus 36 % Emissionen bis 2030) bis Jahresende.
3. Darin sind jene Maßnahmen festzuschreiben, die erforderlich sind, um 100 Prozent erneuerbare Energieträger bis 2030 zu erreichen. Teil davon muss eine aufkommensneutrale ökosoziale Steuerreform sein, die CO2-Sparen belohnt.
4. Verkehrswende u.a. mit einer umfassenden Ausbauoffensive für den öffentlichen Verkehr, der raschen Einführung eines Österreich-Tickets für Öffis (um drei Euro pro Tag bzw. um einen Euro pro Tag für ein Bundesland und 2 Euro pro Tag für zwei Bundesländer) und der Festlegung, sodass es ab 2030 in Österreich zu keiner Neuzulassung fossil betriebener PKW mehr kommt.
5. Bodenschutzoffensive mit einer drastischen, gesetzlich verankerten, jährlichen Verringerung der Flächenversiegelung.

LR Anschober: ‘Auch Oberösterreich muss rasch zusätzliche Beiträge zu Klimaschutz und Klimaanpassung verwirklichen. Ich habe daher aktuell ein Schreiben an alle Regierungskolleg/innen
verfasst mit dem Appell, bis 1. November 2017 konkrete Zusatzmaßnahmen für einen verstärkten Klimaschutz und wirksame Anpassungsmaßnahmen vorzulegen. Die Situation ist alarmierend,
jetzt braucht es Ernsthaftigkeit, Entschlossenheit und Engagement. Und kein weiteres Blockieren und Zuwarten."

LR Anschober wird an der kommenden Weltklimakonferenz Mitte November in Bonn teilnehmen. Hier muss der internationale Durchbruch zur Umsetzung des Weltklimavertrages von Paris kommen!


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