© Peter Weish / Hannes Minich
© Peter Weish / Hannes Minich

Trauer um Ing. Hannes Minich, Querdenker und Naturschützer

Mit großer Bestürzung vernahmen wir die Nachricht, dass Ingenieur Hannes Minich am 16. August 2017 völlig unerwartet aus dem Leben gerissen wurde.

Er stand dem Wiener Naturschutzbund viele Jahre vor und war in dieser Funktion ein unerbittlicher Kämpfer für die Grünräume unserer Bundeshauptstadt und darüber hinaus.
Wir verlieren mit Hannes Minich nicht nur einen geschätzten Querdenker und Naturschützer besonderer Güte, sondern in erster Linie einen langjährigen Freund. Sein stringenter Einsatz für die Natur wird uns stets ein Vorbild, sein geradliniger Charakter und sein aufrichtiges Wesen immer erinnerlich sein. Hannes hinterlässt eine große Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird.

Sein beruflicher Werdegang begann in der Forstfachschule in Gainfarn, wo er die Ausbildung zum Förster absolvierte. Von 1974 bis Ende 1978 leitete er die damalige Umweltschutzabteilung der Stadt Wien. Bereits zu dieser Zeit lag ihm der Schutz der Natur sehr am Herzen. So erreichte er damals viele Unterschutzstellungen, wie jene des Arboretums des sog. Kraus-Besitzes (Naturdenkmal Nr. 636), des Wienerbergteichs und Umgebung (Naturdenkmal Nr. 639) und viele andere mehr.

Als unbestechlicher Kämpfer für die Natur stellte Hannes etliche Baustellen prominenter Privater im Wald- und Wiesengürtel Wiens ein. Seiner Zivilcourage ‘verdankte’ er in der Folge die Versetzung als Förster in das Revier Lainz. Seit Mitte der 80er Jahre war er für das Revier Neuwaldegg zuständig.

Hannes Minichs ehrenamtliches Engagement war vielfältig, im Mittelpunkt standen dabei immer Natur und Umwelt:

Ab 1973 engagierte er sich bei der JG (Junge Generation in der SPÖ), wo er in vielen Arbeitskreisen (Bundesheer, Energiepolitik, Umwelt und Energie) mitarbeitete und die kritische Haltung der JG zur Atomkraft mitbegründete. Er war auch Mitglied im Komitee "Verkehrskonzeption für Wien" der Wiener JG und im Personenkomitee "Sozialisten für alternative Verkehrspolitik."

Seit 1973 war Hannes Minich auch Mitglied beim Naturschutzbund. Im Alter von 30 Jahren wurde er dort stellvertretender Schriftführer im Gesamtverein. Zunächst engagierte er sich dann als Geschäftsführer beim Wiener Naturschutzbund, bald darauf wurde er sein Präsident. Diese Funktion führte er bis zuletzt aus. Als Präsident des Wiener Naturschutzbundes nahm er die Möglichkeit wahr, auch außerhalb der Verwaltung etwas zu bewirken. Seine profunde Kenntnis der inneren Struktur der Verwaltung und der gesetzlichen Grundlagen war dabei sehr hilfreich. Er setzte sich auf vielen Gebieten für die Natur ein, ein spezielles Thema davon war beispielsweise der Einsatz um den Schutz der Lobau. Auch die Steinhofgründe gehen in ihrer heutigen Form auf das Engagement von Hannes Minich zurück: Durch intensive Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative und Öffentlichkeitsarbeit, um eine Volksbefragung über die Bebauungspläne zu erreichen, ging diese positiv aus, die Steinhofgründe wurden ein großes, frei zugängliches Erholungsgebiet. Als die Verbauung der Südhänge des Schafberges geplant war, wurde Hannes ebenfalls aktiv: Auch hier gab es eine enge Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative und intensive Öffentlichkeitsarbeit. Damit wurde das Ziel erreicht, die Stadt Wien erwarb Ende 1981 die 8,5 ha große Fläche von den Bauspekulanten, und ein Erholungsgebiet für die Stadtbevölkerung konnte entstehen.

Viele weitere geplante Umweltsünden konnten dank dem Einsatz von Hannes Minich abgewendet oder zumindest gemildert werden.

Hannes Minich betreute die Wiener Naturschutz-Nachrichten, die im Eigenverlag herausgegeben werden und eine ausführliche Dokumentation des Wiener Naturschutzgeschehens umfassen. Sie bilden eine wichtige Quelle für Recherchen über die historische Entwicklung des Naturschutzes in Wien.

Seit mehr als 20 Jahren organisierte Hannes ein Veranstaltungsprogramm im Vortragssaal des Naturschutzbundes Wien, das sowohl naturkundliche als auch umweltpolitisch aktuelle Themen umfasste. Dabei konnten oft prominente Vortragende begrüßt werden. Zu erwähnen sind auch die Bemühungen um den Aufbau eines internationalen Naturschutznetzes, z. B. 1991 die Unterzeichnung einer Vereinbarung über eine umfassende Zusammenarbeit von Naturschutzbund Österreich und dem tschechischen bzw. slowakischen Naturschutzverband. Hannes Minich war langjähriges Mitglied in wichtigen Naturschutzgremien, wie dem Wiener Naturschutzbeirat bzw. sehr aktiver Mitwirkender im Wiener Beirat für den Nationalpark Donau-Auen.

Laufend nahm Hannes Minich im Namen des Naturschutzbundes qualifiziert Stellung zu geplanten Änderungen im Flächenwidmungsplan, zu Entwürfen von Verordnungen und Gesetzen und er unterstützte Bürgerinitiativen mit seinem reichen Fachwissen.
Mit seinem Tod verliert der Naturschutzbund einen höchst engagierten, erfahrenen und verdienstvollen Mitarbeiter, Mitstreiter und lieben Freund. In unseren Herzen bleibt er lebendig und wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

GastautorIn: Dagmar Breschar für den Naturschutzbund für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /