© Skitterphoto- pixabay.com/ Radfahren
© Skitterphoto- pixabay.com/ Radfahren

OÖ: Offener Brief an Herrn Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer zur Steyregger Brücke

Radlobby OÖ. schreibt Brief zum Thema Radverkehr in OÖ. und Zukunftsfähigkeit

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!


Sie sprechen in Ihrer 93-Tages-Bilanz von einem "Land der Möglichkeiten".

Wir sind leider bei unseren aktuellen, schon seit über einem Jahr laufenden Bemühungen um einen zukunftsorientierten Ausbau der Steyregger Brücke mit einem Land der verhinderten und nicht genutzten Möglichkeiten konfrontiert.

Wenn man sich seit fast 40 Jahren in diesem Land für den Radverkehr engagiert, darf man schon auf einen gewissen Erfahrungsschatz zurückblicken. Aber wie viele zigtausend ehrenamtliche Stunden muss man leisten, damit man sich in diesem Land die Möglichkeit erarbeitet, auf Augenhöhe mit Politik und Verwaltung reden zu können?

Wir sehen, dass Ihre Beamten alle Möglichkeiten haben, den vor 3 Jahren von Ihrem Parteikollegen LHStv Hiesl mühsam erarbeiteten Standard für Haupt-Radwege radikal herunterzuschrauben und damit einen Substandard für Hauptradrouten zu schaffen, der dann wieder 50 Jahre herhalten muss.

Und es gibt keine Möglichkeit, diesen einseitig, ohne Einschaltung der Nutzer und ohne politische Diskussion von der Verwaltung reduzierten Standard zu verändern.

Der zuständige Landesrat und die Verwaltung haben die Möglichkeit, eine 38 Jahre vorhandene Radverbindung im Zuge der Sanierung der Brücke aufzulassen und (ohne Betroffenheit) festzulegen, was den Radfahrern für Umwege zumutbar sind.

Das Land OÖ kann, wenn es notwendig ist, diese über einem Abschnitt von 15 km einzige Verbindung über die Donau auf der Ostseite von Linz einfach tagelang für die RadfahrerInnen sperren, obwohl die Richtlinien klar vorgeben, eine Möglichkeit der Umfahrung vorzusehen.

Es gibt in diesem Land nicht einmal die Möglichkeit, eine zukunftsorientierte Lösung umzusetzen, selbst wenn das Land OÖ überhaupt nichts zahlen muss und man lieber stattdessen eine ungenutzte Fläche von 2 m Breite auf der Brücke schafft.

Hier geht es anscheinend nicht mehr um Sachpolitik sondern nur mehr um Befindlichkeiten.
Eine Gruppe, deren einziges Ziel es ist, heute die Voraussetzungen für die Mobilität und Lebensgrundlagen von morgen zu schaffen, hat in diesem Land einfach nicht die Möglichkeit, sich mit ihrem Standpunkt im Sinne der Radfahrer durchzusetzen oder ihn zumindest auf Augenhöhe zu diskutieren. Punkt.

Das Land OÖ hat sich Mitte der 90er Jahre unter Ihrem Vorgänger Dr. Pühringer (als Landesrat) zum Ziel gesetzt, den Radverkehrsanteil bis 2010 auf 14 % zu erhöhen. Dieses Ziel wurde nie auch nur ansatzweise erreicht, viel mehr ist der Radverkehrsanteil in diesem Land von 2001 bis 2012 von 6,5 % auf 5,2 % zurückgegangen.

Landesrat Steinkellner hat in den letzten 20 Monaten den Radverkehr in diesem Land in einer ausgeprägten Form ignoriert. Unter den für die Beseitigung der Staus im Großraum Linz relevanten Playern scheinen Vertreter dieses Verkehrsmittels gar nicht auf.
Nur im Vergleich dazu: In Kopenhagen stellen die RadfahrerInnen die größte Gruppe der Verkehrsteilnehmer dar und hat der Stadtgrenzen überschreitende Radverkehr ein Ausmaß, das 25 mal höher ist als in der Landeshautstadt Linz. Ein Land der Möglichkeiten sollte sich an solchen Zahlen orientieren.

Hierzulande werden von den Vertretern des Landes OÖ gebetsmühlenartig (und um den Faktor 3 geringer als die Realität) die niedrigen derzeitigen Radverkehrszahlen auf der Steyregger Brücke angeführt, um eine Lösung, die dem Land nichts kostet, zu verhindern. Diese fehlende Vision auf Veränderung bedeutet Stillstand und verbaut jede Möglichkeit, hier weiterzukommen.

Wir sehen immer mehr, dass es in diesem Land - trotz der österreichweit vorbildhaften Fahrradberatung - derzeit keine Möglichkeiten gibt, eine massive Zunahme des Radverkehr zu erreichen, sondern dass dieser Geist noch immer nicht durchgreifend in Politik und Verwaltung vorgedrungen ist und einzelne Player dort sogar massiv zurück rudern können.
Die konkreten Festlegungen von Verwaltung und Politik auf der Steyregger Brücke bestärken uns in dieser Einschätzung.

Wir werden in diesem Land nur die Möglichkeit haben, den Radverkehrsanteil massiv zu erhöhen - und das entwickelt sich im Hinblick auf den Klimaschutz immer mehr zu einer unverzichtbaren Aufgabe - wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und dabei alle
Möglichkeiten genutzt werden.

Die Möglichkeit, auf der Steyregger Brücke einen für die nächsten Jahrzehnte zeitgemäßen und zukunftsorientierten Standard für den Radverkehr zu schaffen, gibt es nur mehr diese Woche!

Ergreifen wir sie!


Dipl. Ing. Lukas Beurle
Stv. Vorsitzender Radlobby OÖ

Dipl. Ing. Michael Schrank
Stv. Vorsitzender Radlobby OÖ


Artikel Online geschalten von: / holler /