© Abbildung 1: Gegenüberstellung Handelsbilanzen Datenqellen: Zahlen Statistik Austria, Berechnung: Österreichische Energieagentur
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7 Milliarden Euro Kaufkraftabfluss ins Ausland: Energiewende ist Riesenchance für Wirtschaft

Die Importe fossiler Energie belasten die heimische Handelsbilanz - Ohne Nettoimporte von Erdöl und Erdölprodukten wären Überschüsse in Milliardenhöhe möglich

Wien. Es ist einfach eine immense Summe, die Jahr für Jahr abfließt, weil wir an fossilen Energien festhalten: Nach Abzug der Energieexporte flossen im Jahr 2016 knapp 7 Milliarden Euro ins Ausland, 60 Prozent davon entfielen auf Erdöl und Erdölprodukte.

Der Import von Brennstoffen und Energie (umfasst die Energieträger Kohle, Erdöl und Erdölprodukte, Erdgas und elektrische Energie) trägt wesentlich zum Handelsbilanzdefizit bei: die Handelsbilanz für diese Güter ist seit 2000 durchwegs negativ. Im Jahr 2016 musste in Österreich für die Einfuhr der fossilen Energieträger nach Abzug von Exporten (netto) knapp 7 Milliarden Euro gezahlt werden.

"Die große Menge an importierter fossiler Energie bedeutet einen enormen Kaufkraftabfluss für unser Land", betont Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. Diese Tatsache wurde bereits nach der ersten Ölkrise erkannt und war ein Auslöser für die Gründung der Österreichischen Energieagentur vor 40 Jahren. "Wenn es gelingt, Erdöl mittelfristig durch nachhaltige heimische Energieträger zu ersetzen, würde das eine Trendwende in Richtung positive Handelsbilanz auslösen" so Traupmann, der zu einem Gedankenexperiment an Hand aktueller Zahlen anregt: "Die Zahlen zeigen uns, dass Österreich ohne Nettoimporte von Erdöl und Erdölprodukten in den vergangenen 10 Jahren mit Ausnahme des Jahres 2011 im Außenhandel ausgeglichen bilanzieren würde. Teilweise würden sogar Überschüsse in Milliardenhöhe erzielt werden." Die Grafik zeigt, dass dies seit 2002 der Fall ist.

Erdgas werde Traupmann zufolge als Brückentechnologie zwar noch länger Bedeutung haben, zumal auch dessen CO2 Bilanz deutlich besser ausfalle. Dennoch gelte es fossile Energieträger langfristig durch heimische erneuerbare Energie zu ersetzen, wobei dem Einsatz neuer Technologien und Effizienzsteigerungen Schlüsselrollen zukommen würden.

Österreichische Industrie als großer Profiteur der Energiewende

"Der Ausbau erneuerbarer Energie und Investitionen in Energieeffizienz steigern den Selbstversorgungsgrad. Damit fließt weniger Geld ins Ausland und gleichzeitig würde Wertschöpfung im Inland generiert werden", betont Traupmann. "Die heimische Industrie kann direkter Nutznießer der Energiewende sein. Die Transformation des österreichischen Energiesystems birgt zahlreichen Chancen für die Wirtschaft, da österreichische Unternehmen mit ihrem Know-how in energierelevanten Technologiebereichen weltweit reüssieren könnten - "Technologie made in Austria kann zum Exportschlager werden", so Traupmann weiter. Dementsprechend seien positive Beschäftigungseffekte zu erwarten. Aber auch die die Versorgungssicherheit werde durch Unabhängigkeit von fossilen Importen gestärkt, da die Herkunftsregionen sehr häufig politisch instabil sind. Darüber hinaus sei eine möglichst fossilfreie Energiezukunft auch im Sinne des Pariser Klimaschutz-Abkommens, das Österreich ratifiziert hat.

2 Prozent des BIP für Energieimporte


"Fossile Energie belastet Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen. Vom Kleinkind bis zum Pensionisten zahlte im Jahr 2016 jede Österreicherin und jeder Österreicher im Schnitt 770 Euro für den Import von Energie", so Traupmann. 2016 wurden somit rund 2 Prozent des BIP für Energieimporte (netto) aufgewendet, im Jahr 2012 war es sogar doppelt so viel.

Dabei war die Situation im Jahr 2016 mit Kosten von 7 Milliarden Euro für den Import von Brennstoffen und Energie bei einem Jahresdurchschnitt des Ölpreises von 44 $ pro Barrel noch relativ günstig. Aber selbst im Jahr 2000, als der Ölpreis mit 29 $ pro Barrel sehr niedrig war, lagen die Kosten immer noch bei 4 Milliarden Euro. Im Jahr 2012 hingegen erreichten die Nettoimporte einen Rekordwert von fast 13 Milliarden Euro, zu diesem Zeitpunkt lag der Ölpreis bei 112 Euro pro Barrel. Erdöl und Erdölprodukte wie Benzin, Diesel und Ofenheizöl trugen im Zeitraum 2000 bis 2016 bis zu 75% (60 % im Jahr 2016) zu diesem Defizit bei, gemeinsam mit Erdgas stieg der Anteil auf bis zu 97 % (92 % im Jahr 2016).


Quelle: Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency



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