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Ostermarschproteste in Gronau und Jülich gegen Urananreicherung

Stilllegung der Uranfabrik als Ziel

Rund 250 Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner aus Belgien, aus den Niederlanden und aus Deutschland beteiligten sich am Karfreitag in Gronau am Ostermarsch zur deutschlandweit einzigen Urananreicherungsanlage beteiligt. Ihre eindeutige Forderung an die Landes- und Bundespolitik: Sofortige Stilllegung der umstrittenen Uranfabrik. Auch in Jülich wurde mit Nachdruck gegen Urananreicherung
und gegen den Bau von Zentrifugen für Urananreicherungsanlagen demonstriert.

In der Gronauer Urananreicherungsanlage wird Natururan für den späteren Einsatz in Atomkraftwerken vorbereitet (angereichert). Der Urenco-Konzern, an dem u. a. die Energieunternehmen RWE und E.ON
beteiligt sind, hat für die Anlage in Gronau eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Mit Uran aus Gronau werden Atomkraftwerke in der Bundesrepublik, aber auch in Belgien, Frankreich und anderswo betrieben.
Die Urananreicherung in Gronau erfolgt mit dem Zentrifugenverfahren, das grundsätzlich auch zur Produktion von Uran für Atomwaffen geeignet ist. Auch das iranische und das pakistanische Atomprogramm basieren auf dieser Zentrifugentechnik.

In Jülich ist die Enrichment Technology Company (ETC) ansässig, ein Tochterunternehmen des Urenco-Konzerns und des französischen Atomkonzerns Areva. Die ETC erforscht und entwickelt Zentrifugen für
Urananreicherungsanlagen und baut sie auch. In der Vergangenheit hatte sie auch einen Produktionssitz neben der Urananreicherungsanlage in Gronau, der aber bereits vor einigen Jahren geschlossen wurde.

Schulterschluss der Anti-Atomkraft-Bewegung mit Friedensorganisationen

Der Gronauer Ostermarsch wurde wie in den letzten Jahren im Rahmen der bundesweiten Ostermärsche der Friedensbewegung durchgeführt. Bei zwei Kundgebungen am Bahnhof und vor der Urananreicherungsanlage kamen Mitglieder regionaler und überregionaler Organisationen zu Wort,
darunter Gertrud Roth (Katholische Frauen Deutschlands, Gruppe Ahaus), Marc Alexander von der belgischen Anti-Atomkraft-Bewegung (11maartbeweging), Dr. med. Angelika Claussen (Ärztevereinigung IPPNW), Karl-Willhem ter Horst (Pastor i. R. aus Schüttorf) und Joachim Schramm vom Organisationskomitee des Ostermarsches Rhein-Ruhr.

Veranstaltet wurde der Gronauer Ostermarsch vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. Zur Teilnahme hatten rund 30 Organisationen aufgerufen: Aus Gronau u. a. der Arbeitskreis Umwelt, der
DGB, die Fraktion DIE LINKE im Gronauer Stadtrat, die Grün Alternative Liste (GAL) und der Natur- und Umweltschutzverein. Aus der Gronauer Umgebung unterstützten u. a. der Arbeitskreis Umwelt Schüttorf, die Initiative Enschede voor Vrede, die Stichting VEDAN, der Grafschafter Kreisverband von Bündnis 90 / Die Grünen sowie die Bürgerinitiative ‘Kein Atommüll in Ahaus’ den Aufruf zur Teilnahme an der Aktion.
Überörtlich unterstützte u. a. der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) den Aufruf zur Teilnahme an dem Gronauer Ostermarsch.

Im Aufruf zur Teilnahme an dem Gronauer Ostermarsch hieß es: ‘Die in Jülich erforschte und in Gronau angewandte Zentrifugentechnologie für die Urananreicherung ist eine massive Bedrohung für den Frieden. In der Urenco-Anlage in Almelo (NL) entwendete der pakistanische Wissenschaftler Dr. Khan in den 1970erJahren Baupläne und verhalf so Pakistan zur Atombombe. Von dort gelangten die Pläne auch an den Iran und Nordkorea.’

Mit dem Ostermarsch in Gronau wurde u. a. folgenden Forderungen Nachdruck verliehen: ‘Verbot der Urananreicherung und Zentrifugenforschung! Vernichtung und ’Entsorgung” aller Atomwaffen und
Uranmunitions-Bestände! Stopp aller Waffenexporte und Kriegsbeteiligungen! Sofortige Stilllegung aller Uranminen und Atomanlagen weltweit! Förderung von gewaltfreien Ansätzen zur Konfliktlösung statt Wettrüsten!’

Engagierter Protest auch in Jülich / Weitere Aktionen

In Jülich fand am Karfreitag ebenfalls eine Ostermarsch-Aktion am Gelände der ETC/Urenco statt. Rund 50 engagierte Personen beteiligten sich an einer Oster-Mahnwache.In Jülich werden Zentrifugen für
Urananreicherungsanlagen entwickelt und hergestellt. Organisiert hatte in Jülich den Protest das Aktionsbündnis Stop Westcastor.


Hintergrundinformationen zum Ostermarsch in Gronau und zum Protest in Jülich unter www.sofa-ms.de .

In den nächsten Tagen finden zahlreiche weitere Osteraktionen der Friedensbewegung statt: Im Münsterland, im Ruhrgebiet, am Atomwaffenlager Büchel (Rheinland-Pfalz und anderenorts.
www.ostermarsch-ruhr.de www.friedenskooperative.de

Am 7. Mai findet an der Gronauer Urananreicherungsanlage der nächste Sonntagsspaziergang der regionalen Anti-Atomkraft-Initiativen statt. Seit dem Herbst 1986, also seit dem Jahr der Tschernobyl-Katastrophe, treffen sich immer am ersten Sonntag Anti-Atomkraft-Initiativen um 14 Uhr an der Gronauer Uranfabrik.


Artikel Online geschalten von: / holler /