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Umweltzonen sind für Österreichs große Städte gut geeignet

In Deutschland gibt es bereits in 54 Städten eine Umweltzone

Wien - In Österreichs Städten braucht es verstärkte Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung. Sowohl die Belastung mit Feinstaub als auch mit Stickstoffdioxid ist aus Gesundheitssicht zu hoch. Während es in Deutschland bereits in 54 Städten eine Umweltzone für Pkw gibt, gibt es in Österreich für Pkw keine einzige. In Umweltzonen dürfen Fahrzeuge, die besonders große Mengen an schädlichen Schadstoffen ausstoßen, nicht einfahren.

"Der Gesundheitsschutz der Bewohnerinnen und Bewohner sollte absoluten Vorrang haben. Deshalb sind Umweltzonen zu begrüßen", stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen zur aktuellen Diskussion um die Einführung von Umweltzonen in Wien und Graz fest. So stoßen alte Diesel-Pkw ohne Rußpartikelfilter besonders viel Feinstaub aus. Besonders belastet werden die Anrainerinnen und Anrainer entlang stark befahrener Straßen sowie Autofahrerinnen und Autofahrer.

Messungen haben gezeigt, dass im Fahrzeuginneren die Belastung mit schädlichen Feinstaubpartikeln besonders hoch ist. Die höchste Belastung wurde im Autoinneren mit bis zu 230.000 Partikeln gemessen, während an verkehrsfernen Orten nur rund 4.000 Partikeln gemessen wurden. Die höchste fünfminütige Durchschnittsbelastung am stark befahrenen Gürtel war mit rund 114.000 Partikeln fast 30 Mal so hoch. Während grobkörniger Feinstaub auch aus anderen Regionen in die Städte verfrachtet wird, tritt Ultrafeinstaub vor allem dort auf, wo er verursacht wird.

In Deutschland gibt es bereits in 54 Städten eine Umweltzone. Gerade für Österreichs größere Städte wie Wien, Graz und Linz wäre eine Umweltzone gut geeignet, um die Luftverschmutzung zu verringern. Zu den heimischen alten Autos kommen in Österreich aufgrund der geografischen Nähe auch noch zahlreiche alte Autos aus den osteuropäischen Staaten dazu.

Der VCÖ spricht sich zudem für einen Anreiz aus, ein altes Auto aufzugeben. So könnten Wienerinnen und Wiener, die ihr altes Auto aufgeben, für drei Jahre eine Öffi-Jahreskarte erhalten. Wer mit Öffis statt mit einem alten Auto in Wien fährt, trägt zur Verbesserung der Luft bei. Diese Förderung würde der Stadt einen Nutzen bringen.

Dass in Österreichs Städten dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität nötig sind, zeigen die Werte der Messstellen. In Graz war heuer bereits an 33 Tagen die Feinstaubbelastung zu hoch und damit wurde bereits jetzt Österreichs Feinstaub-Jahresgrenzwert (höchstens 25 Überschreitungen) deutlich überschritten. Auch der EU-Grenzwert von maximal 35 Überschreitungen pro Tag droht schon bald überschritten zu werden.

In Wien war heuer an 19 Tagen die Feinstaubbelastung zu hoch. In Wien ist zudem die hohe Stickstoffdioxid-Belastung ein großes Problem. Die höchste Belastung aller Messstellen weist jene am Hietzinger Kai auf. Hier wurde im Jänner ein Monatsmittelwert von 51 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft gemessen, der Jahresgrenzwert liegt bei 35 Mikrogramm (inklusive Toleranzgrenze). Hauptverursacher von Stickoxiden sind Dieselfahrzeuge.

Stickstoffdioxid schädigt die Atemwege, kann zu Lungenschäden sowie Herz-Kreislauferkrankungen führen. Bei Feinstaub wiederum sind vor allem die Kleinstpartikel extrem gesundheitsschädlich. Ultra-Feinstaub kann bis in die Lungenbläschen und in den Blutkreislauf eindringen.

"Die bestehenden Feinstaub-Grenzwerte sind ein politischer Kompromiss. Gesundheitsschädlich sind die Partikel auch unterhalb des Grenzwertes", stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. So ist Diesel-Ruß seit dem Jahr 2012 von der WHO als krebserregend eingestuft. Jedes Mikrogramm davon ist schädlich. Zudem bräuchte es bei Feinstaub auch einen Grenzwert für die Anzahl der Partikel, derzeit wird nur das Gewicht gemessen. Tausende Kleinstpartikel können gleich viel wiegen wie ein einziges grobkörniges Feinstaubpartikel, sind aber um ein Vielfaches gesundheitsschädlicher.



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