© oekonews / Laden eines  Elektroautos
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Das Umweltbundesamt denkt vor: Das Elektroauto ist nicht mehr aufzuhalten

Nicht nur der Klimawandel, auch andere Gründe sprechen für eine Verkehrswende!

Am Montag wurde das neue Energieszenario des Umweltbundesamtes (UBA) vorgestellt. Viele Medien berichten davon, dass eine der Annahmen ist, dass ab 2020 in Österreich keine Benzin- und Diesel-Autos mehr verkauft werden sollten. Diese Annahme sorgt für massive Kritik von Seiten der WKO, genauso wie vom ÖAMTC.

Denken wir einmal in Ruhe nach: Aktuelle Studien zeigen, dass gerade Österreich vom Klimawandel besonders stark betroffen ist. Bereits heute kostet uns der Klimawandel eine Milliarde Euro pro Jahr! Wir sind eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt. Also wieso sollen gerade wir uns das nicht leisten können?

Der Vorschlag des Umweltbundesamts ist nicht unrealistisch oder aus der Luft gegriffen- andere Länder, wie Norwegen oder die Niederlande, gehen diesen Weg bereits. Gerade der Verkehrsbereich erfordert Handeln, es ist mehr als notwendig, endlich auf die fossile Bremse zu steigen! Rein volkswirtschaftlich macht dies ebenfalls Sinn, weil wir uns damit teure Importe von Öl ersparen können. Ein Elektroauto mag zwar derzeit bei der Anschaffung noch mehr als ein fossil betriebenes Auto kosten. Die Betriebskosten sind jedoch definitiv geringer. Das Argument der Kosten ist mit etwas klügeren Finanzierungsmodellen einfach zu entkräften. Da haben wir die Auswirkungen auf die Gesundheit noch gar nicht eingerechnet: Es sterben weit mehr Menschen durch Luftverschmutzung und die Auswirkungen von Atemwegserkrankungen als durch Autounfälle. Wer meint, das sei nur in China so, der möge sich die Statistiken dazu ansehen. 2012 gab es rund 6.100 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaubauswirkungen im Österreich, im Vergleich zu jährlich ca. 400-500 Todesfällen durch Verkehrsunfälle.

In den letzten 5 Jahren hat sich am Elektroautomarkt vehement viel verändert. Elektrofahrzeuge sind günstiger geworden, der Batteriemarkt entwickelt sich dynamisch weiter.

Die aktuellen Entwicklungen sind megaspannend: Die Preise für private Stromspeicher sinken von Jahr zu Jahr- um rund 18% pro Jahr! Das hängt natürlich mit den Preisen der Batterien zusammen. Aktuelle Marktforschungsergebnisse zeigen, das bereits ab dem kommenden Jahr in Deutschland "Speicherparitität" erreicht werden könnte. Das heißt, dass Strom aus Photovoltaikanlagen, die mit einem Stromspeicher kombiniert werden, bereits 2017 zum gleichen Preis wie Strom aus dem Netz geliefert werden könnte. Das deutsche Marktforschungsunternehmen Büro F hat dazu die Preise für Haushaltsstrom und die Gestehungskosten von Strom aus der Sonne samt der Kosten für die Anschaffung eines Stromspeichers verglichen. Die Ergebnisse sind klar: Wenn der Preis Haushaltsstrom in Deutschland in etwa gleich schnell steigt wie bisher, so ist die Speicherparitität 2017 erreicht. Danach wäre Strom aus der solaren Batterie sogar günstiger als jener aus dem Netz.

Nachdem der Einsatz der gleichen Batterien sowohl als Hausspeicher als auch im Auto möglich ist, sehen die Entwicklungen im Bereich Auto nicht schlechter aus: Nicht nur Tesla baut derzeit eine Batteriefabrik und denkt außerdem über eine weitere in Europa nach, auch Daimler denkt in die gleiche Richtung und investiert 500 Millionen Euro, wie auf der Daimler Hauptversammlung vor kurzem zu hören war. Dass BMW gemeinsam mit Solarwatt in diese Richtung geht, wurde bereits bei der Intersolar im Vorjahr präsentiert.

Damit stehen sie nicht alleine da: Ähnliche Entwicklungen sind auch aus China bekannt.
Der Schweizer Zukunftsforscher Lars Thomsen erklärt den Trend mit einem einfachen Vergleich, den wirklich jeder versteht und den jeder kennt, der bereits einmal Popcorn gemacht hat: erst poppt ein Korn, dann noch eines, und ganz schnell ist der Topf dann voll. Genauso läuft es auch mit der Elektromobilität.

Wer hätte von uns vor 5 Jahren gedacht, dass der Anteil an Smartphones so hoch werden könnte?

China zeigt bereits mit mehr als 200 Millionen Elektro-Scootern auf den chinesischen Straßen, dass der fossile Trend gestoppt werden kann. Bereits 2006 wurden in China mehr Elektroroller als stinkende Zweitakter zugelassen. Einfacher Grund: In vielen Städten ist es nicht erlaubt, mit einem Zweitakter in das Zentrum zu fahren.

Wer nun denkt, dass im Autobereich nur kleine Staaten auf solche Programme setzen, und darauf verweist, dass Österreichs Anteil am weltweiten Verkehr zu wenig wäre, um etwas zu ändern, der möge seine Augen nach Indien richten: Das Land hat das Ziel, bis 2030 zur 100% electric vehicle Nation zu werden.

Der Trend scheint nicht mehr aufhaltbar, was auch der Hype um das Tesla Model 3 und die hohe Anzahl von mehr als 300.000 Vorbestellungen für das Elektroauto zeigen.


Eines ist fix: Das Elektroauto wird sicher kommen, möglicherweise ganz einfach von selbst, weil jeder, der einmal mit einem Elektroauto gefahren ist eines erkennt, dass sie einfach mehr Spaß machen als Benziner oder Diesel.


In diesem Sinne: Die Zukunft ist wahrscheinlich schneller als manche dies träumen bei Neufahrzeugen zu 100% elektrisch.



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