© Mitsubishi i-MiEV im Einsatz
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Leserfeedback zum Artikel "Bis zum letzten Ruckler" in auto touring des ÖAMTC

Zweite Runde.. Der ÖAMTC hat geantwortet- Unser oekonews-Leser schreibt retour



Sehr geehrter Herr Pisecker,



es freut mich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um einen Leserbrief eines ihrer Mitglieder zu beantworten. Mein Interesse liegt ausschließlich darin die Elektromobilität als bisher einzig vernünftige Alternative nach vorne zu bringen. Wir Menschen haben über 100 Jahre lang diesen Planeten nachhaltig zerstört und auf Kosten unserer Nachkommenschaft gelebt. Zum Interesse des ÖAMTC komme
ich noch bei der Beantwortung Ihrer Punkte. Unterschiedliche Meinungen sind natürlich zulässig. Wir stehen jedoch vor einer der größten Herausforderungen der Menschheit – überleben, oder Platz machen für eine intelligentere Lebensform. Diese Herausforderung hat, wie Sie sicherlich auch verstehen werden, vielerlei Aspekte. Ich beschränke mich daher auf das gemeinsame Thema der individuellen
Mobilität mittels PKW.

ad Objektivität

Wir sind in einem freien und demokratischen Land, daher ja, ich habe das Recht diese einseitige Darstellung in Ihrem Artikel als unobjektiv zu bezeichnen. Wollen Sie mir allen Ernstes weismachen, anhand eines einzigen Testfahrzeugs der ersten iMieV-Reihe, ist es objektiv einen Schluss auf die Tauglichkeit der Elektromobilität zu ziehen? Nein, natürlich nicht! Das ist ein einzelnes Fahrzeug, vielleicht ein Montagsauto mit Produktionsfehler im Akku, wer weiß das schon. Es fehlt hier einfach eine fundierte und aussagekräftige statistische Menge. Den Kapazitätsverlust habe ich ja auch gar nicht angezweifelt, sondern die absolut entbehrliche Formulierung einer Vermutung, dass somit auch bei anderen Hersteller mit diesen Kapazitätsverlusten zu rechnen sei.

Noch dazu ohne die Rahmenbedingungen klar darzustellen – mangels Platz! Für die fehlende Kilometerleistung im Printartikel und die Abweichung zum Onlineartikel haben Sie keine Entschuldigung parat? Dann lassen Sie es! Das wäre eine korrekte Vorgehensweise in ihrer journalistischen Zunft! Wie Sie so schön schreiben, müssen Sie 2 Millionen Leser mit journalistisch ordentlich aufbereiteten und wissenschaftlich fundierten Informationen versorgen. Der gegenständliche Artikel tut das nicht.

Im Gegenteil, er verstößt meines Erachtens sogar gegen einige Grundsätze der Satzung des ÖAMTC, z.B. §2(5)(a) ‘Förderung der Mobilität unter Bedachtnahme auf soziale Verträglichkeit, Schonung von Ressourcen...’. Aus meiner Sicht wäre es vordringlichste Aufgabe des ÖAMTC mit allen verfügbaren Mitteln die alternative Mobilität mittels Elektroauto nach vorne zu bringen. Denn die Technologie ist da, verfügbar und einsetzbar, entgegen allen Unkenrufen der seit 100 Jahren falsch antrainierten Mobilitätsverhaltensweisen. Wer braucht schon 700 km am Stück – außer in wenigen beruflichen Einzelfällen und des vermeintlichen Totschlagarguments des 1x jährlich stattfindenden Urlaubs.

Die mangels Platz verlorene Information ist entgegen Ihres Glaubens sehrwohl wesentlich! So wesentlich wie der Durchschnittsverbrauch eines Verbrenners, die Notwendigkeit der Information, dass man den Harnstofftank auffüllen muss, dass man jährlich Literweise Altöl ersetzen muss, dass man schalten muss, um den Motorwirkungsgrad nicht unter 1% fallen zu lassen, dass man nach 80.000 km den Zahnriemen um sündteures Geld tauschen muss, dass der Tausch einer kaputten Lichtmaschine ein Monatsgehalt auffrisst, etc. (beispielhafte, nicht taxative Aufzählung).

Neue Technik erfordert neue Rahmenbedingungen und Betrachtungsweisen. Sie können nicht einfach hergehen und das Altvorderenwissen auf neue Technologie anwenden – deswegen ist auch jede E-Mobil-Studie mit dem Namen des selbsternannten Motorenpapstes für die Tonne. Elektromobilität zu bewerten, heißt neben dem Akkumanagement auch das Fahr- und Ladeverhalten ordentlich zu definieren. Wenn also schon die Tester ihren Job nicht ordentlich gemacht haben (wovon ich mangels vorliegenden Aufzeichnungen ausgehen muss) und all diese Dinge aufgezeichnet haben, dann haben Sie ihre journalistische Arbeit ordentlich zu machen und das auch entsprechend klar darzustellen!

Beispiel – ‘Letztens hatte ich einen 1er-BMW für eine Testfahrt. Der Verbrauch lag bei 15 Litern, also weit weg von den Herstellerangaben.
Nach knapp über 200 km blieb ich am Straßenrand liegen. Nach einem weiteren Testtag ging der Motor kaputt. Da die meisten anderen Hersteller gleichartige Verbrenneraggregate verwenden, ist wohl davon auszugehen, dass dieser enorme Verbrauch dort auch auftritt und mit Ausfällen der Maschinen zu rechnen ist. Die Verbrennertechnologie ist wohl nicht mehr brauchbar für den Alltagseinsatz.’ Das würden sie natürlich nicht abdrucken, denn sie wissen ja nicht wie dieses Ergebnis zustande kommt. Der intelligente Leser denkt sich seinen Teil.

Diese journalistische Unsitte der Sensationshascherei und unreflektiertes Plappern ohne ordentliche Recherche greift in Auto-Blättern von Auto-Bild über AutoMotorSport, etc. um sich. Sie schreiben für einen Mobilitätsclub – das sollte doch einen Unterschied machen!?

Ich unterstelle den ÖAMTC-Technikern gar nichts. Sind alles genauso Menschen wie wir alle, wir tun die Dinge wie sie uns in den Sinn kommen. Manche finden Neues gut und interessant, andere kaufen heute noch Ölheizungen, weil es ihnen die Werbung als gut und gefördert suggeriert.
Das Fahrprofil und –verhalten ist gerade bei Elektroautos eben sehr wichtig. Und übrigens – so effizient sind dann ihre Testfahrer doch nicht, wenn sie es nicht schaffen, den Normverbrauch der Hersteller zu erreichen, siehe mein zitiertes Beispiel des BMW mit 50 % Mehrverbrauch. Soviel zu ‘Bedachtnahme auf Energieverbrauch’. Aber vermutlich war das Testequipment so schwer, oder der Beifahrer (Sarkasmus).

ad andere Hersteller

Ups! ‘gleichen Alters’? Davon war aber im Artikel nichts zu lesen. Im Vergleich zu den ‘baugleichen Modellen’? Davon stand auch nichts im Artikel. Somit haben Sie alle anderen Hersteller wie BMW, VW, Mercedes, Tesla und andere Baureihen von Renault mit einbezogen. Ohne diese getestet zu haben, ohne deren Akkumanagement analysiert zu haben, etc. – darf ich das als lächerlich bezeichnen? Ja, dazu sehe ich mich im Recht.

Warum ist die Offenlegung sämtlicher Unterlagen des Tests nicht möglich? Würden wir darin weitere Fehler finden, weil sie altvordere Maßstäbe aus 100jähriger Erfahrung zur Bewertung neuer Technologie angewandt haben? Kann ich mir nicht vorstellen, nachdem sie ja Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit und ‘Bedacht auf Energieverbrauch’ als ihre Tugenden bewerben. Und ja, da schwang jetzt ein leichter Sarkasmus mit.

ad Normverbrauch

Also ich weiß nicht wie Sie ihre Autos aussuchen und bewerten, ob Sie ein Auto kaufen oder nicht. Da gibt es viele Faktoren von den realen Werten wie Bruttokaufpreis, Anzahl der Sitze, Kofferraumvolumen bis hin zu den irrealen wie Marke, Design, Lärmpegel äh Klang, etc. Ein Kriterium von den vermeintlichen realen Werten welches ich immer dabei im Auge hatte ist der angegebene (Norm)verbrauch. Wie so viele andere auch, wie sie auch so schön in ihrem Leitartikel schreiben. DAS ist eine wesentliche KAUFENTSCHEIDUNG!

Die Forderung der EU nach einem verbesserten Normfahrzyklus kann ich nur voll unterstützen, obwohl ich aufgrund der Lobbyarbeit der Autoindustrie nicht ganz daran glauben kann, dass diese vernünftige neue Regelung tatsächlich kommt. Wir werden sehen. Sie selbst schreiben, dass er unrealistisch und weit von einer praxisgerechten Fahrweise entfernt ist. Die meisten ihrer angeführten Faktoren kann man einfließen lassen – mittleres Gewicht der Zuladung (dazu gehört auch das Gewicht des Fahrers), mittlere Abweichung zum Optimalschaltpunkt, etc.
Ihr Argument gegen diesen neuen Fahrzyklus lautet ‘höhere Abgaben’? Ist es nicht Aufgabe des Staates und der Gesetzgebung, die Abgaben auf eine realistische Basis zu setzen? 30 – 50 % Mehrverbrauch aus ihren eigenen – Energieverbrauchsoptimierten – Tests sind nichts anderes als 30 – 50 % versteckte Quersubventionierung einer die Umwelt verdreckenden Industrie. Ja, selbstverständlich muss sich künftig ein Käufer im Klaren sein, dass er mit dem Kauf eines überdimensionierten SUV-Spritsäufers in der Stadt eine entsprechende Zeche an die Allgemeinheit zu zahlen hat und das wäre dann eben eine auf den neuen Fahrzyklus basierende höhere Abgabe in Form der NoVa und anderer verschmutzungsabhängiger Steuern. Wer Dreck macht muss zahlen! Wir können es uns nicht leisten bei stetig wachsender Bevölkerungszahl jeden Dreckspatz auch noch quer zu subventionieren.

Deshalb sollte es Ihre Aufgabe sein ordentlich recherchierte Artikel zur Unterstützung der Veränderung des Kaufverhaltens Richtung alternative Antriebe und insbesondere der marktreifen und alltagstauglichen Elektromobilität zu bringen (s. §2(5) der ÖAMTC-Satzung). Des Weiteren Ihren Mitgliedern zu erklären, warum der ÖAMTC eine Abgabenerhöhung zu unterstützen hat und somit – wie geschrieben – jeden Tag auf Ministers Türschwelle zu stehen hat, um ordentliche Messwerte und Angaben für ein fundamentales Jufentscheidungskriterium einzufordern hat. Im Sinne der Gesundheit und Lebensqualität der Mitglieder.


Übrigens – an Feinstaub, giftigen Abgasen und lungengängigen Microrußpartikel erkrankte und im schlimmsten Fall verstorbene Mitglieder fahren kein Auto mehr, zahlen keine Mitgliedsgebühren und lesen keine hochqualitativen Autojournalismus. Es wäre daher im Club-eigenen Interesse, auf gesündere Alternativen für seine Mitglieder zu setzen.

Der ÖAMTC muss somit für eine Verteuerung der althergebrachten und ausgedienten Technologie sein und im Gegenzug eine Vergünstigung der Alternativen einfordern. Ich bin mir sicher – mit ordentlich aufbereiteter Information werden das viele der Mitglieder verstehen und unterstützen.


Im Übrigen weiß ich wie man ökonomisch fährt, schließlich schaffe ich mit einem 302PS-starken Gefährt einen Verbrauch von knapp 12 kWh/100 km ohne eine Verkehrsbehinderung darzustellen. Und ja, selbstverständlich sollten alle Autofahrer eine entsprechend sparsame Fahrweise beherzigen, hier sind wir in diesem nicht unwesentlichen Punkt durchaus einer Meinung.

ad Vereinnahmung des ÖAMTC

Nun, sie geben sich ja gleich selbst die Antwort. Der ÖAMTC ist von Einnahmen ubhängig und da reichen die Mitgliedsbeiträge bei weitem nicht aus, das gesamte Angebot des Clubs zu decken. Daher ist der ÖAMTC natürlich daran interessiert, dass alle Hersteller im Clubmagazin inserieren und für eine 2 Mio. große Leserschaft entsprechend bezahlen. Und jetzt erzählen sie mir, der ÖAMTC bzw. sie als Chefredakteur würden nicht mit Argusaugen darauf achten, dass ein Artikel nicht komplett einem Hersteller sauer aufstoßen könnte? Da wird an der einen oder anderen Formulierung gedreht und so mancher negativer Satz gestrichen. Selbstverständlich werden Sie so etwas nicht zugeben, müssen sie auch nicht. Es ist logische Konsequenz wenn man von bestimmten Ertragsquellen abhängig ist. Offenbar fehlt im Marketing die Weitsicht auch andere Werbekunden zu
akquirieren.

Warum sie dieser Lobby wissentlich oder unwissentlich dienen? Weil diese Lobby von Ihrer Abhängigkeit weiß. Schließlich brauchen der ÖAMTC deren
Einnahmen, deren Wohlwollen zur Unterhaltung diverser Prüf- und Werkstätten, etc.. Legen Sie es doch mal darauf an? Was glauben Sie wie schnell der Verein seine Gemeinnützigkeit verliert, wenn die erzürnte Autoindustrie bei Politik und Interessensvertretern interveniert. Aber vorher verlieren vermutlich sie den Job, also lassen sie es lieber. Von mir aus machen Sie ruhig so weiter. Jedoch wäre es mir lieber mein Club wäre kein zahnloser Vertreter meiner Interessen als nachhaltig autofahrender Mensch, sondern wäre ein ernstzunehmender Widerstand im Spiel der üblen Machenschaften großer Hersteller.

Werbung von und für Elektroautos ist derzeit noch nicht der große Einnahmenbringer, was man gut an der ‘objektiven’ Berichterstattung erkennen kann. Es ist nicht mein Anliegen, dass sie ihre Berichte für Elektroautos Beschönigen, das hat die Technologie gar nicht notwendig. Ich ersuche lediglich
darum:

- unvollständige Berichte mangels Platz für Details zu unterlassen, denn sie sind schädlich für das Thema und für sie als Journalisten, ihr Magazin und für den Club als Ganzes, dessen zahlendes Mitglied ich bin.
- Berichte mit unhaltbaren Aussagen und Zitaten von beteiligten oder unbeteiligten Personen zu streichen, denn sie sind nicht objektiv und spiegeln nur eine persönliche subjektive Meinung wieder, was in einem objektiven Magazin wie ihrem nichts zu suchen hat - Berichte über gekaufte oder beeinflusste Studien von Themen zu unterlassen, an denen fragwürdige Institutionen mit Beteiligung von Unternehmen, die an einem objektiven und noch schlimmer positiven Ergebnis vordergründig aus ökonomischen Interesse gar nicht interessiert sind. Die Prüfung
derartiger pseudowissenschaftlicher Studien ist eine Tugend des ordentlichen Journalismus.

- etc.

Es freut mich ganz besonders, dass sie sich mit meiner Webseite beschäftigt Haben. Ja natürlich gibt es am Thema E-Mobilität interessierte Unternehmen, für die ich eine Leistung erbringen konnte, die mir gemäß Vereinbarung abgegolten wurde. Dass ich diese Unternehmen als Kooperationspartner auf meiner Webseite führe ist ein freiwilliger Akt meinerseits, da diese Unternehmen dafür sonst keine laufenden Zahlungen zu leisten haben. Meine Berichterstattung in meinem Blog www.teslafahren.at über diverse Events oder Ladestationstests können jedoch nicht durch diese Kooperation ‘gekauft’ werden. Im Gegenteil, diese Unternehmen sind sogar interessiert an konstruktiver Kritik, damit sie sich verbessern können.

Gerne gebe ich zu, dass ich voreingenommen bin, da ich das Privileg habe eines der besten Elektroautos der heutigen Zeit (und mittelfristigen Zukunft) fahren zu dürfen. Dieser Voreingenommenheit bin ich mir durchaus bewusst, was mich aber nicht daran hindert auch über andere Fahrzeuge zu berichten, die ich testen durfte. Meine Seite www.greensportcars.at ist keine vordergründige Werbeseite für Tesla, sondern eher ein Armutszeugnis für die altvorderen Hersteller. Diese haben es bis heute nicht geschafft ordentliche Alternativen zu schaffen und somit bleibt mein mietbarer Sportwagenfuhrpark halt nur von einer Marke dominiert – dem Marktführer.
So einfach ist das.

Abschließend noch ein Wort zu ihrer glorifizierten Vergangenheit. Ja vor 25 Jahren waren offenbar noch andere Entscheidungsträger mit Mut und Weitsicht am Ruder. Wo sind diese Aktivitäten heute geblieben? Nicht missverstehen, sehr schön dass sie über E-Bikes und E-Roller berichten, sich Elektroautos der ersten Generation angeschafft haben, um diese zu testen. Ich freue mich, dass sie über den Marktführer berichten. Ich wünsche mir sehrwohl, dass sie objektiv im Allgemeinen über die neuen Technologien berichten, aber tatsächlich objektiv! Dazu können sie natürlich über die Schwächen schreiben, wie es ihnen beliebt – das stört mich keineswegs, aber wenn dann bitte immer mit den zugehörigen Rahmenbedingungen und ohne Verallgemeinerungen, ableitend von einem einzelnen Testfahrzeug! Oder muss ich jetzt automatisch davon ausgehen, dass der 50%ige Mehrverbrauch ihres BMW-Tests auf alle anderen Verbrenner in gleicher Weise anzuwenden ist? Ich denke nicht.
Diese sicherlich nicht taxative Aufzählung ihrerseits ist jetzt die gesamte Anstrengung des ÖAMTC gem. §2(5)? Teils bezogen auf Aktivitäten vor 25 Jahren?

Wo ist die Austrosolar heute, 25 Jahre später, wo das Thema wichtiger ist denn je? Es gibt in Europa so viele E-Mobilitätsrallyes, teils über 1000de Kilometer – wo ist die ÖAMTC-E-Rallye? Starten sie doch eine E-Mobile Österreichrundfahrt – von mir aus zur Einweihung der ÖAMTC-Ladestationen in Kooperation mit SMATRICS
durch alle 9 Bundesländer oder in jedem Bundesland jeweils eine zur gleichen Zeit (wenn sie vor Reichweiten Angst haben) oder eine Kombination davon.

Sie würden überrascht sein, wie viele Teilnehmer sie heute haben könnten ... und sie dürfen wetten, ich wäre dabei.

Wie schon in meiner ersten Lesermeinung gilt nun auch für die erweiterte Version - ich erlaube Ihnen, dem ÖAMTC und ÖAMTC-nahen Unternehmen die Veröffentlichung der gesamten und unveränderten Lesermeinung. Eine teilweise aus dem Zusammenhang gerissene Veröffentlichung ist nicht erlaubt.


Zur besseren Lesbarkeit für meine Blogleser hab ich unsere Unterhaltung nun in Gesprächsstil aufbereitet – wie vereinbart ohne an den Formulierungen etwas zu
ändern bzw. aus dem Zusammenhang zu reißen. Nachzulesen unter folgendem Link

Ich wünsche dem Autotouring, dem ÖAMTC, allen Mitarbeitern und natürlich auch Ihnen ein frohes Fest und gutes neues Jahr, Gesundheit und Glück.


Mit freundlichen Grüßen

Hillinger Manfred



DIE ANTWORT ERFOLGTE AUF DIESE ANTWORT:

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Pisecker Peter
Gesendet: Montag, 15. Dezember 2014 17:59
An: manfred.hillinger

Betreff: Re: Leserfeedback zum Artikel "Bis zum letzten Ruckler"



Sehr geehrter Herr Hillinger,

wie vergangenen Dienstag versprochen, versuche ich gerne, auf die vielen Punkte einzugehen, die Sie in Ihrem Schreiben ansprechen. Mir ist dabei bewusst, dass Sie andere Interessen verfolgen als der AMTC, teilweise andere Meinungen vertreten und dass wir in etlichen Punkten wohl keine inhaltliche bereinstimmung herstellen k nnen werden.

Punkt 1: Mangelnde Objektivität

Es ist jahrelange Praxis des auto touring, ber sehr aufwändige technische Testvorg nge zu berichten. Naturgemäß tun wir das in verkürzter Form, denn der auto touring ist keine technische Fachzeitschrift, sondern das meistgelesene Publikumsmagazin Österreichs mit mehr als 1,8 Millionen Lesern. Diese riesige Leserschaft erwartet von uns, technische Zusammenhänge transparent und leicht verständlich zu beschreiben. Da Sie sich in der Materie der Elektromobilität auskennen, mag Ihnen die Darstellung des Tests zu wenig aussagekräftig erschienen sein. Aber das gibt Ihnen doch nicht das Recht, sie öffentlich als unobjektiv zu bezeichnen.

Tatsache ist, dass die Reichweitenmessung des Mitsubishi i-MiEV vom Institut für Fahrzeugantriebe & Automobiltechnik an der Technischen Universität Wien durchgeführt wurde, und zwar erstmals im Jahr 2011. Das Projekt hatte zum Ziel, relevante Nutzerinformationen für die Mitglieder des ÖAMTC zu ermitteln. Zwischen der Messung 2011 und jener 2014 lagen drei Jahre Nutzungsdauer und rund 40.000 zurückgelegte Kilometer. Die Messung 2014 ergab einen Kapazitätsverlust der Hochvoltbatterie von 17 Prozent. Daraus resultiert eine geringere Reichweite von 90 statt 108 km im Eco-Test bzw. 137 statt 165 km bei einer Konstantfahrt mit 50 km/h. An diesen Ergebnissen ist nicht zu rütteln, sie wurden auf wissenschaftlich einwandfreie Weise auf dem Prüfstand der TU Wien ermittelt.

Sie werfen uns vor, nicht genau erklärt zu haben, wie der Mitsubishi in diesen drei Jahren der Nutzung gefahren wurde. Es stimmt, das haben wir nicht in erster Linie aus Platzgründen. Diese Information ist aber keineswegs so relevant wie Sie glauben.

Tatsächlich sind ausschließlich Techniker mit dem i-MiEV gefahren, denen Sie ruhig zutrauen dürfen, ein Elektrofahrzeug auf ökonomische Art zu bewegen. Wie bei seriösen Fahrzeugtests üblich, sind natürlich alle Fahrten dokumentiert; es erschien uns aber überflüssig, in dem kurzen Bericht im auto touring die Selbstverständlichkeit zu erwahnen, dass der Mitsubishi stets unter Bedachtnahme auf geringen Energieverbrauch gefahren wurde. Kein vernünftiger Mensch würde doch ÖAMTC-Technikern bei Testfahrten Kavalierstarts unterstellen, ohne den geringsten Anhaltspunkt für diese Behauptung zu haben, oder? Wie war das nochmal mit der Objektivität?

Punkt 2: die Bemerkung über andere Hersteller.

Wie Sie sicherlich wahrgenommen haben, ist dies ein Zitat von ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Er sagt damit nicht mehr und nicht weniger, dass ein Kapazitätsverlust, wie wir ihn beim Mitsubishi i-MiEV festgestellt haben, aufgrund ähnlicher Batterie-Technologien auch bei anderen Elektrofahrzeugen gleichen Alters auftreten könne. Infrage kämen da beispielsweise baugleiche Modelle von Mitsubishi, Citroen und Peugeot, bei denen das zweifellos ebenso geschehen kann. Wollen Sie denn dieser Tatsache ernsthaft widersprechen? Ich glaube nicht, dass Sie imstande sind zu garantieren, dass unser Fahrzeug ein Einzelfall ist und parallele Entwicklungen bei vergleichbaren Fahrzeugen ausgeschlossen sind. Wie war das nochmal mit der Objektivität?

Im übrigen ersuche ich Sie, sich mit Detailfragen ber den Test des Mitsubishi i-MiEV an meinen Kollegen Steffan Kerbl zu wenden, der dafür verantwortlich ist. Er wird Ihnen bestimmt weiterhelfen, so gut er kann, was jedoch wohl nicht die Offenlegung sämtlicher Unterlagen umfassen wird.

Punkt 3: Normverbrauch.

Gegen Ende Ihres Schreibens stoßen auch Sie in das schon oft vernommene Horn des sogenannten Normverbrauch-Betrugs. Ich darf Sie diesbezüglich auf meinen Leitartikel in der November-Ausgabe des auto touring verweisen. Kurz zusammengefasst: Die Autohersteller geben einen Normverbrauch an, weil sie müssen (gesetzliche Verpflichtung), und sie geben den Normverbrauch nach NEFZ an, weil dieser verbindlich ist. Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben können es sich die Autohersteller nicht aussuchen, gar keinen oder einen anderen Normverbrauch anzugeben als diesen. Lug und Trug ist hier nicht zu erkennen, denn die Verbrauchswerte werden zweifellos korrekt ermittelt. Sie stimmen ja auf dem Prüfstand.

Nun scheinen viele Autofahrer, auch Sie, Herr Hillinger, zu glauben, solche Prüfstandswerte müssten auch ganz einfach im realen Straßenverkehr zu erreichen sein. Das sind sie auch, wenn man weiß , wie man auf konomische Weise mit Gaspedal und Ganghebel umgeht. Wenn man das nicht weiß oder nicht beherzigt, dann verbraucht man mehr. So einfach ist das. Und daran sind aber sicher nicht der Hersteller oder die Normverbrauchsangaben schuld.

Der ÖAMTC soll jeden Tag auf des Ministers Türschwelle stehen und realistische Messwerte und Messmethoden einfordern? Was hätte das denn für einen Sinn? Würden dann unökonomisch fahrende Autofahrer weniger verbrauchen? Nein. Aber wenn der Normverbrauch näher am Realverbrauch dran wäre, würde es sie nicht so sehr ärgern was ist das denn für eine Logik?


Sinnvoller wäre es doch, die Autofahrer anzuspornen, durch ihre Fahrweise möglichst den Normverbrauch zu erreichen, als einfach den Wert anzuheben.

Einen Nutzen hätten höhere Normverbrauchsangaben also kaum. Aber sie hätten den Nebeneffekt, dass alle vom CO2-Ausstoß errechneten Abgaben und Steuern wie z.B. die NoVA steigen würden das heißt, Kauf und Betrieb eines Autos würden noch teurer werden. Das will der ÖAMTC keinesfalls. Es kann niemand ernsthaft vom ÖAMTC erwarten, dass er ausgerechnet für die Verteuerung des Autofahrens auf die Barrikaden steigt.

Punkt 4. Vereinnahmung des ÖAMTC.

Sie glauben, dass der ÖAMTC von der Hersteller- und Öllobby einvernahmt ist, und Sie glauben auch, dass mittlerweile kein Mensch mehr das Gegenteil glaubt. Entgegen Ihrer Annahme scheinen fast zwei Millionen Menschen in diesem Land das doch zu tun und vertrauen dem ÖAMTC. Denn ob Sie s glauben oder nicht, wir tun alles, was wir tun, im Sinne unserer Mitglieder. Die Clubmitglieder bezahlen ihren Mitgliedsbeitrag und können dafür erwarten, dass wir für sie da sind und in ihrem Sinn handeln. Im Gegensatz dazu erhalten wir keinen Cent von irgendeiner Industrie-Lobby, warum also sollten wir in deren Interesse handeln?

Ah, ich wei schon: Autohersteller inserieren ja im auto touring. Klar, das gibt ihnen natürlich jedes Recht, ber unsere journalistische Integrität frei zu verfügen. Entschuldigung, Herr Hillinger, aber glauben Sie so etwas wirklich?

Wenn ja, dann stellt sich die Frage, wie hoch Ihre Abhängigkeit von EVN, Tesla, Kelag, Raiffeisen-Leasing und Umweltministerium ist, deren Werbebanner auf Ihrer Website greensportscars.at prangen, die quasi eine Tesla-Werbeseite ist. Wie war das nochmal mit der Objektivität?

Was die Unterstützung der Elektromobilität betrifft, so wundert es mich, dass Sie als offensichtlicher Szene-Kenner nicht wissen, welches Medium in Österreich die Elektromobiltät in Österreich als erstes und am stärksten unterstützt hat. Es war der auto touring. Wir initiierten vor 25 Jahren die Austrosolar, berichten regelmäßig über E-Autos, seit es sie gibt, haben einen i-MiEV gekauft, einen smart electric drive für ein Jahr verlost und über die Erfahrungen des Gewinners berichtet, testen laufend Elektroroller und E-Bikes und haben als erstes Medium in Österreich einen Fahrbericht des damals brandneuen Tesla S veröffentlicht, den wir exklusiv in Kalifornien fahren konnten.

Nur machen wir all das so, wie Sie es einfordern: objektiv. Das heißt, dass wir auch über die Schwächen dieser Technologie schreiben. Und das scheint Sie zu stören, Herr Hillinger, denn Sie verlangen von uns (wörtlich): Unterstützen Sie doch endlich proaktiv und ohne Sarkasmus zwischen den Zeilen die Elektromobilität! DAS erwarte ich als zahlendes Mitgied von meinem Club!!


Sie erwarten also von uns, nicht objektiv zu sein. Bedaure, damit können wir nicht dienen.


Mit freundlichen Grüßen,

PETER PISECKER
Chefredakteur | auto touring

ÖAMTC Verlag GmbH

P.S.: So wie Sie es uns erlaubt haben, erlaube auch ich Ihnen die Veröffentlichung dieser gesamten und unveränderten Antwort. Eine teilweise aus dem Zusammenhang gerissene Veröffentlichung ist nicht erlaubt.


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