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Greenpeace: Österreichische Biospritpolitik unterwandert Regenwaldschutz

Europaweite Tests zeigen: Raps- und Soja in Biodiesel verursachen negative Klimabilanz

© www.greenpeace.de
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Ein großangelegter Dieseltest in neun EU-Ländern der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt, dass "Musterschüler" Österreich den höchsten Anteil an Biodiesel hat. Ein Vorteil für die Umwelt ist das jedoch nicht. Denn auch wenn die Rohstoffe hauptsächlich aus Europa kommen: Der Anbau von Raps oder Soja für Biosprit in Europa führt anderswo zu "unerwünschten Nebenwirkungen", wie etwa der Rodung von Urwäldern. Nichtsdestotrotz will Österreich die Biospritbeimischung weiter erhöhen und wehrt sich gegen strengere Umweltbestimmungen. "Aus Umweltgründen muss sich Österreich von der bisherigen Biospritpolitik verabschieden und die Beimischungsquote nach unten revidieren. Ziel ist es, die Energieverschwendung im Verkehr verringern - zum Beispiel durch sparsamere Autos", fordert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof.

Die Testergebnisse der Proben aus Österreich zeigen, dass hierzulande neben Altspeiseöl vor allem Raps und Soja als Rohstoff für die Biodieselproduktion verwendet werden. Diese Rohstoffe kommen zumeist aus Osteuropa und bedeuten auf den ersten Blick keine besondere Belastung für die Umwelt - im Gegensatz zum italienischen Biodiesel, der zu 37 Prozent aus Palmöl stammt.

Auf den zweiten Blick sieht das anders aus: Der Kern des Problems ist die "indirekte Landnutzungsänderung" (ILUC - Indirect Land Use Change) als Folge der hiesigen Politik. Denn die Nachfrage nach Agrarprodukten steigt, und die Agrarflächen, die für den österreichischen Biospritbedarf verwendet werden, müssen anderswo kompensiert werden. Oft bedeutet das, dass irgendwo auf der Erde zusätzliche Flächen landwirtschaftlich genutzt werden, zum Beispiel ehemalige Urwald- oder Savannenflächen. Das wirkt sich negativ auf die Klimabilanz der Biotreibstoffe aus.

Um diese Auswirkungen quantifizieren zu können, werden die sogenannten ILUC-Faktoren verwendet. Diese Faktoren sagen aus, wie hoch die mit der Biosprit-Produktion verbundenen CO2-Emissionen sind. Gerade beim für Österreich wichtigen Raps ist die Energieproduktion pro Hektar eher gering. Das bedeutet, dass verhältnismäßig große Kompensationsflächen gebraucht werden. "Wenn es darum geht, wie die ILUC-Faktoren angerechnet werden sollen, entpuppt sich Österreich erneut als Klimasünder und steht auf der Bremse. Das liegt wohl daran, dass es in der Klimapolitik sonst kaum messbare Erfolge gibt", vermutet Jurrien Westerhof.

Durch die Verwendung von Biosprit kommt es zu einer rechnerischen Verlagerung der Emissionen, weg vom österreichischen Verkehrssektor hin zur Landwirtschaft in jenen Staaten, wo die Rohstoffe letztendlich produziert werden. "Für das Klima bringt das gar nichts und dennoch klammert sich der österreichische Umweltminister Berlakovich an diesen Strohhalm. Kein Wunder, sonst hat er in der Klimapolitik auch nichts vorzuweisen", so Westerhof. "Die negative Wirkung auf die Umwelt durch die Biospritpolitik muss mitgerechnet werden. Es stellt sich heraus dass diese viel größer als vermutet ist, und daher müssen wir die Beimischungsziele nach unten korrigieren. Denn niemand will, dass Urwald gerodet wird, nur um hierzulande Biodiesel tanken zu können."



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