© Michael Sigmund
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Intervallausdünnung

Mitten in der Fahrplanperiode streicht die ÖBB zahlreiche Züge. Kunden müssen im Kursbuch mühsam Änderungen eintragen oder sich auf ihr Glück verlassen, ob ein Zug kommt

Ab dem 2. August 2010 werden in Niederösterreich zahlreiche Züge nicht mehr fahren, obwohl sie im Kursbuch stehen. Das Fahrplanangebot werde in Abstimmung mit dem Land NÖ ‘angepasst’, teilt ÖBB-NÖ-Pressesprecher Christopher Seif mit. Es gäbe ‘Anpassungen’, wo die ‘Wirtschaftlichkeit aufgrund zu geringer Nachfrage nicht gegeben sei’. Die ‘Umstellungen’ seien jedoch ‘nicht sehr umfangreich’.

Kursbuch ist nicht mehr zuverlässig

Betroffen sind Haupt- und Nebenstrecken. Im Piestingtal zum Beispiel wird in der Spitzenzeit der Halbstundentakt auf einen Stundentakt verschlechtert. Im Triestingtal wird der tägliche Abendzug ‘gestrichen’, weil es laut ÖBB zu wenige Fahrgäste gäbe. Wer sich hier aufs Kursbuch verlässt, kann eine böse Überraschung erleben, weil er nach einer langen Wanderung möglicherweise in einem kleinen Dorf festsitzt.

Auch die Strecke nach Krems ist betroffen, verschiedene Züge fahren gar nicht mehr, andere bekommen geänderte Abfahrtszeiten (zum Teil einige Minuten früher – auch hier führt das Kursbuch künftig aufs Glatteis).

Mitten in der Fahrplanperiode

Warum solche Veränderungen nicht mit dem Fahrplanwechsel im Dezember durchgeführt werden, sondern mitten im Fahrplanjahr, wissen wohl nur jene Gehirne im ÖBB-Management, die diese Maßnahme ausgeheckt haben. Auch wenn sich die ÖBB gerne ‘privatwirtschaftlich’ geben, eine Privatfirma könnte sich kaum leisten, dass Kursbücher plötzlich ihre Richtigkeit verlieren und dutzende Züge nicht oder verfrüht fahren.

Christopher Seif, Pressesprecher der ÖBB-PV NÖ, erklärt, beim vergangenen Fahrplanwechsel im Dezember 2009 sei noch nicht klar gewesen, dass man Züge einsparen wolle. Die Kürzungen seien erst Anfang 2010 in Abstimmung mit dem Land NÖ beschlossen worden, in Zusammenhang mit dem Vertrag zum Verkauf mehrere Nebenbahnen an das Land NÖ, so Seif.

Abgesprochen oder nicht?

Der NÖ Verkehrslandesrat Heuras wiederum erklärte gegenüber der Tageszeitung ‘Standard’ (28.7.2010), es handle sich um einen ‘Alleingang der ÖBB’, der nicht abgesprochen sei.

Die ÖBB kontert laut Standard, dass das Land zu wenig zahle, sodass nicht nur am 2. August 200.000 Fahrplankilometer (pro Jahr) gestrichen werden, sondern außerdem mit Jahresende 2010 weitere 450.000 Zugkilometer.

Dass manche Züge schlecht ausgelastet und daher nicht gewinnbringend sind, mag stimmen. Ob aber die Umstellung von einem 30-Minuten- auf einen Stundentakt (zB Piestingtal), oder von einem Stunden- auf einen Zweistundentakt (zB Nordwestbahn) ein guter Anreiz für Ausflügler, Pendler und
Gelegenheitsreisende ist, vom Auto auf die Bahn umzusteigen, bleibt fraglich.

Österreich ist eines der Schlusslichter bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Ein Hauptfaktor dabei ist die massive Steigerung des Straßenverkehrs und die mangelnde Attraktivität der Bahn.

P.S. Die ÖBB-Gütersparte Rail-Cargo erhöht mit 1. August 2010 ihre Preise um bis zu 14 Prozent. CombiNet, ein Zusammenschluss von Transporteuren und Spediteuren zur Förderung des kombinierten Verkehrs, warnt laut ‘Standard’ (28.7.2010) vor den Folgen. CombiNet-Chef Herbert Peherstorfer weist darauf hin, dass in Oberösterreich und Vorarlberg wegen der Preiserhöhung der ÖBB-Cargo bereits Transportverlagerungen von der Schiene auf die Straße angekündigt worden seien.



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Weitere Infos: Linktipp: Gerd Maiers Homepage - www.gerdmaier.com
GastautorIn: Gerd Maier für oekonews.
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