© Pro Ybbstalbahn
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ÖBB-interner Streit verhindert Gleisreparatur

Die Teilgesellschaft „ÖBB-Personenverkehr“ will auf der Ybbstalbahn weiterfahren, kann aber nicht, weil die Teilgesellschaft „ÖBB-Bau-AG“ die Reparatur von Hochwasserschäden verweigert

Derzeit kann die Ybbstalbahn nicht fahren. Schuld ist die Weigerung der ÖBB-Bau-AG, Hochwasserschäden zu reparieren.

Der Klimawandel fördert kürzere und dafür besonders heftige Regenereignisse, sagen Experten. Tatsächlich haben im Sommer 2009 mehrere Hochwasser-Ereignisse die Gleisanlagen der Ybbstalbahn beschädigt. Normalerweise hätte man die Schäden (unterspülte Gleise, beschädigte Dämme) in wenigen Tagen beseitigen können.

Es klingt unglaublich, ist aber wahr: Die ÖBB, und zwar der Teil-Konzern ‘ÖBB Bau AG’, ließ viele Wochen verstreichen, ohne auch nur einen Finger zu rühren und mit Reparaturarbeiten zu beginnen. Anfang Juli 2009 riss dann einigen ÖBB-Pensionisten und Bahnfreunden die Geduld: Für den 8. Juli kündigten sie an, die zerstörte Strecke bei Ybbsitz mit eigenem Fachwissen aus eigener Kraft zu reparieren.

Pensionisten können, was die ÖBB-Bau-AG nicht schafft

Noch am Vortag erklärten die ÖBB entsetzt, sie würden diese Reparaturarbeiten nicht gestatten. Doch der improvisierte Bautrupp sanierte tatsächlich ein längeres Bahndammstück und tauschte überdies eine beschädigte Schwelle, was kein leichtes Unterfangen ist. ÖBB-NÖ-Sprecher Christopher Seif kündigte daraufhin an, man werde nun doch selbst die Strecke sanieren, in 14 Tagen würden wieder Züge fahren.

Die Anwohner warteten mehrere Wochen, dann kam ein weiteres Hochwasser, und schließlich passierte gar nichts mehr. Über einen Informanten erfuhren wir erstaunliche Dinge: Der zuständige Prokurist Werner Baltram von der Bau AG habe, wurde uns berichtet, seine Dienststellen angewiesen, ‘nichts mehr zu tun, weil wir nichts mehr tun’. Das heißt, es wird einfach nichts mehr repariert. Wir können den Wahrheitsgehalt dieses Zitats nicht prüfen, die Ereignisse scheinen es aber zu bestätigen.

Der ÖBB-Personenverkehrs-Regionalleiter sagt übrigens, er würde sofort Züge auf die Strecke schicken, sobald die ÖBB-Bau AG das Gleis freigibt. Doch inzwischen ist es November, und noch immer sind keine Arbeiter in Sicht. Das Land NÖ will im Herbst 2010 den Gesamtverkehr auf Busbetrieb umstellen. Ob es der ÖBB gelingt, unter diversen Vorwänden die Gleisreparatur bis dahin zu verschleppen, wird sich zeigen. Ein langsamer, unbequemer Schienenersatzverkehr per Bus, der mehr als ein Jahr dauert, wird allerdings von der Bevölkerung im Jahr der Gemeinderatswahlen wohl kaum tatenlos hingenommen werden. ‘Kein Zug – Keine Stimme’ könnte das Motto der Wähler lauten.

Wie in der Wachau: Straße wird repariert, ÖBB-Bau-AG lässt Gleise verlottern

Und der touristische Radtransport im Ybbstal wäre 2010 einen zweiten Sommer unmöglich, Radtouristen müssten auf Privat-PKW und Dachträger umsteigen.

Irgendwie erinnert das Ganze an die Wachau: Am 7. Juli 2009 stürzten bei Dürnstein nach einem heftigen Regen riesige Felsbrocken auf die Straße und die Bahnlinie. Zwei Tage später waren die Felsen auf der Straße gesprengt, am 10. Juli wurde die Straße für den Verkehr freigegeben. Die Bahnlinie hatte bei den ÖBB-Managern jedoch offenbar keine Priorität: Inzwischen ist es November, und die Bahnstrecke zwischen Krems und Spitz/Donau ist noch immer nicht befahrbar.



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Weitere Infos: Linktipp: Gerd Maiers Homepage - www.gerdmaier.com
GastautorIn: Gerd Maier für oekonews.
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