© Gerd Maier
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Eliminierung einer Schnellbahnlinie

Die ÖBB wissen noch nicht, ob sie im Schnellbahnnetz in Transdanubien „Verschlechterungen anbieten“ oder nicht

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Während rund um Wien an allen Ecken und Enden neue Autobahnen aus dem Boden wuchern, ist es um den öffentlichen Regionalverkehr abseits der Schnellbahn-Stammstrecke schlecht bestellt. Ein bis zwei Schnellbahnzüge pro Stunde sind im Bereich Donaustadt die Regel, mitten in der Stadt und parallel zu überfüllten Autobahnstrecken.

Nun droht möglicherweise eine erneute Verschlechterung: Die ÖBB teilen mit, dass über das Schicksal der Schnellbahnlinie S8 zwischen Floridsdorf, Stadlau und dem zukünftigen Zentralbahnhof noch nicht entschieden sei. Ob im Abschnitt Leopoldau-Stadlau, einem Teil eines möglichen zukünftigen Wiener Schnellbahnringes, 2009 noch Züge mit Personenbeförderung fahren werden, ist ungewiss.

Die Linie S8 wurde erst 2005 eingerichtet. Sie verläuft teilweise parallel zur Schnellstrasse S2 und führt dicht an der riesigen Shopping City Kagran vorbei. Allerdings wurde dort bisher keine Haltestelle gebaut, sodass die Kunden und Angestellten dieser Einkaufszentren fast zur Gänze mit dem Auto hinfahren.

Verschmortes Stellwerk

Am 28. Mai 2009 schlug ein Blitz in einen Oberleitungsmast in der näheren Umgebung von Süssenbrunn ein. Metalldiebe hatten in diesem Bereich an den Masten zahlreiche Kupfer-Erdungskabel gestohlen, die fehlenden Kabel waren von den ÖBB noch nicht erneuert worden. Dieses Versäumnis löste eine technische Katastrophe aus: Der Blitz suchte sich einen Weg in die Erde, wo sich Signalkabel befanden, und es entstand eine elektrische Verbindung zwischen der stromführenden Oberleitung und den Signalkabeln. Blitzschnell fuhr der Strom aus der Oberleitung durch die Signalkabel bis ins Stellwerk und ruinierte dort die gesamte (!) Elektronik. Das Stellwerk war von diesem Moment an unbrauchbar und musste abgerissen werden.

Der Bau eines neuen Stellwerks dauert mehr als ein Jahr, wegen des fehlenden Stellwerks im Bereich Süssenbrunn gibt es derzeit ausgedehnte Langsamfahrstellen für alle Züge (auch für die Fernzüge nach Prag). Die Schnellbahnlinie S8 zwischen Floridsdorf, Stadlau und dem Südbahnhof wurde bis zum Dezember 2009 komplett und ersatzlos eingestellt.

Unauffällige Eliminierung der Verbindung Floridsdorf-Donaustadt?

Im Sommer 2009 kreisten in Transdanubien immer wieder Gerüchte um eine generelle Einstellung des Schnellbahnverkehrs zwischen Floridsdorf und der Donaustadt. Die blitzschlagbedingte ‘ Betriebspause’ würde laut diesen Befürchtungen einfach unendlich verlängert werden.

Oekonews hat bei den ÖBB nachgefragt und erhielt von Mag. Herbert Ofner von der ‘ÖBB-Holding Konzernkommunikation’ für Wien und Burgenland am 10. August die Auskunft: ‘Es ist noch nicht entschieden, wie, bzw. in welcher Intensität, die Strecke weitergeführt wird.’

Proteste der Bevölkerung

Es liegt nun wohl an den Wienern, eine Verbesserung der elenden Zustände in Teilen des Schnellbahnnetzes einzufordern. Die Linie S80 beispielsweise, die parallel zur Südosttangente vom Südbahnhof in die Donaustadt führt, wurde 2005 von drei auf zwei Züge pro Stunde ausgedünnt, da man die freien Gleiskapazitäten angeblich für die Linie S8 (Floridsdorf-Stadlau-Südbahnhof, einmal pro Stunde) brauche. Nun ist die Wiederinbetriebnahme dieser Linie bedroht. Eine viergleisige Donauquerung, von Experten seit 1990 gefordert, um die vielen Güter- und Fernzüge nach Osten zu bewältigen und viertelstündige Schnellbahnintervalle zu ermöglichen, ist nicht in Sicht. Stattdessen wird die Südosttangente nach Hirschstetten verlängert, bekommt das Flugfeld Aspern zwei Autobahnanschlüsse, und der Schwerverkehr der Transeuropäischen Transitautobahnroute Baltikum-Polen-Adria soll in Zukunft über Süssenbrunn und die Lobauautobahn quer durch die Donaustadt verlaufen.

Es ist hoch an der Zeit, dass die Wiener der Stadtregierung, dem Verkehrsministerium und den ÖBB klar machen, dass zwei bzw. null Züge pro Stunde für innerstädtische Schnellbahnlinien etwas wenig sind. Schreiben Sie, mailen Sie, oder rufen Sie an!



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Weitere Infos: Linktipp: Gerd Maiers Homepage - www.gerdmaier.com
GastautorIn: Gerd Maier für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / pawek /