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Sanddünen, Schlösser, Wacholderheide und ein Auenparadies

Das Marchfeld: Zu schade für einen Missbrauch als Industrie- und Gewerbegebiet (Marchfeldautobahn-Kommentar Teil 3)

Es stimmt schon, dass sanfter Tourismus kurzfristig nicht unbedingt gewaltige Geldsummen ins Land spült. Aber kommende Generationen werden dereinst fragen, was wir mit unserem Kultur- und Naturerbe gemacht haben? Ob wir die Schönheit der Landschaft zwischen den Metropolen Wien und Bratislava einer Autobahn geopfert haben, um einen Mega-Gewerbepark, eine gesichtslose ‘Twin-City’, zu errichten. Oder ob wir uns bemüht haben, die Landschaften und ihre Schönheiten zu bewahren.

Das Marchfeld hat keinen besonders guten Ruf. Oft wird es als Agrarsteppe bezeichnet. Ganz falsch ist dies nicht, denn die Ausräumung der Landschaft ist in der weiten Ebene an vielen Stellen haarsträubend fortgeschritten. Hecken und Bäume wurden entfernt, um großen Erntemaschinen Platz zu machen, und das Grundwasser enthält oftmals hohe Nitratkonzentrationen.

Fremdartige Schönheit

Doch es gibt auch noch ein ‘anderes’ Marchfeld: Reste von riesigen Sanddünen (etwa bei Oberweiden) tragen auf ihrem Rücken seltsame, fremdartige Pflanzenarten. Die Wacholderheide bei Oberweiden wiederum ist ein Relikt von jahrhundertelanger Schafbeweidung. Einige Kilometer entfernt befinden sich bei Markgrafneusiedl weitläufige Wiesen, in denen der Triel brütet, ein äußerst seltener, streng geschützter Vogel.

Direkt neben den Triel-Wiesen und am Rand der Wacholderheide entlang soll nach den Plänen der ASFINAG die neue Marchfeld-Autobahn verlaufen.

Es wird uns nichts nützen, wenn wir äußerst schnell auf einer Autobahn in den hinteren Winkel des Marchfeldes gelangen können. Denn vielleicht lohnt es sich dann nicht mehr hinzufahren, weil es inzwischen überall gleich aussieht. In Simmering, in Vösendorf, oder in der ‘Twin City’-Wien-Bratislava, einem gigantischen Mega-Gewerbepark-Einkaufszentrum …

Verlängerte Pendlerfahrten

Vielleicht werden die Raumplaner bei Land und Bund irgendwann endlich verstehen, dass Gewerbegebiete organisch wachsen müssen, und zwar entlang von bestehenden Verkehrsachsen. Der manische Bau von Autobahnen quer durch ein Agrargebiet wird das Marchfeld wohl kaum zu einer blühenden Landschaft machen. Vielmehr wird ein Kaufkraftabfluss in die Slowakei entstehen, da man dorthin rasch einkaufen fahren kann, zum Nachteil der niederösterreichischen Wirtschaft. Die weiträumigen Pendlerströme werden sich kaum verringern: Der Bau von Autobahnen verstärkt und verlängert bekanntlich die Pendlerfahrten, da mit höherer Fahrgeschwindigkeit weitere Anfahrtswege in Kauf genommen werden. Der CO2-Ausstoß steigt, und die Landschaft wird zersiedelt.

Irgendwann wird dann vielleicht sogar Verkehrsplaner Friedrich Zibuschka begreifen, dass die archaische Hypnoseformel ‘Viel Beton ist viel Verkehr ist viel Wohlstand’ falsch ist.



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Weitere Infos: Linktipp: Gerd Maiers Homepage - www.gerdmaier.com
GastautorIn: Gerd Maier für oekonews.
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