© Gerd Maier
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Grundwasseraufstau

Komet-Turbulenzen Teil 12. Ist ein Hochhaus am Schwemmgrund des Wienflusses sinnvoll? Könnte der Betonblock der Tiefgarage zu Wasserschäden in umliegenden Häusern führen?

Der Untergrund der Kometgründe besteht aus instabilem, mit Grundwasser getränktem Schwemmgrund. Anrainer berichten, dass in rund sieben Metern Tiefe bereits das Wasser steht. Da Keller und Grundmauern in diesem Areal von Feuchtigkeit bedroht sind, befürchten manche Anrainer, dass durch den Bau des Komet-Hochhauses in ihren Häusern Wasserschäden entstehen könnten.

Architekt Podsedensek hingegen hält solche Probleme für unwahrscheinlich. Der Turm selbst werde nicht in einer riesigen wasserdichten Wanne stehen, die den Grundwasserstrom aufstaue, sondern auf Piloten (Pfeilern). Tatsache ist jedoch, dass die drei Tiefgeschosse der Tiefgarage unter dem Einkaufszentrum eine Barriere für den Grundwasserstrom darstellen. Dies umso mehr, als sich genau in diesem Gebiet der ‘Rotenmühlbach’ befindet, eine nicht gefasste Grundwasserströmung, die in den Wienfluss mündet. Ein Beamter der Baupolizei teilte in diesem Zusammenhang einem Anrainer mit, es werde zu keinem Grundwasserstau kommen, da die Fundamente des Hochhauses oval seien. Diese Auskunft lässt staunen: Eine ovale Tiefgarage? Das Hochhaus mag zwar oval sein, die riesige dreistöckige Tiefgarage hingegen ist rechteckig.

U-Bahn-Tunnel als Barriere für das Grundwasser

Dass Barrieren den Grundwasserstrom umleiten können, zeigte sich angeblich auch beim Bau der U-Bahn-Linie U6. Wie uns der Inhaber des kürzlich geschlossenen Eisenwarengeschäfts gegenüber vom U4-Komplex erzählte, kam es beim Bau der U6 in den 80er Jahren, zu Grundwasserproblemen im mehrgeschossigen Keller des Hauses Meidlinger Hauptstrasse 1, dessen tiefere Stockwerke angeblich überflutet wurden. Eine Überprüfung der Richtigkeit dieser Behauptung war bisher nicht möglich, da der Abgang vom ersten ins zweite Kellergeschoß inzwischen mit Schutt verfüllt ist.

Umlegung des Cholera-Kanals

Falls das Komet-Hochhaus wirklich gebaut wird, muss im übrigen auch der sogenannte Cholerakanal verlegt werden. Dieser große Abwasserkanal verläuft derzeit parallel zum Wienfluss unter der Fabriksgasse. Sein Name stammt von der Cholera-Epidemie von 1830. Danach, zwischen 1831 und 1839, wurden beiderseits des Wienflusses ‘Sammelkanäle’ errichtet, damit die fäkalienbelasteten Abwässer nicht in den Wienfluss gelangen. Einer dieser beiden Kanäle befindet sich wie erwähnt unter der Fabriksgasse, wo aber nun die dreigeschossige Tiefgarage hinkommen soll. In aufwändiger Arbeit muss daher neben der U-Bahnlinie U4 ein neuer Kanal gebaut werden, und die Zuflüsse mehrerer Häuser müssen umgelegt werden, ohne dass die Kanalfunktion für das Stadtviertel unterbrochen wird.



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GastautorIn: Gerd Maier für oekonews.
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