© Oekonews/Reichhardt
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Ludwig Eidenhammer – Im Zeitalter der Sonne

Schauplatz Linz: Seit 20 Jahren lebt Ludwig Eidenhammer vor, wie man mit Erneuerbaren Energieträgern zu mehr Unabhängigkeit und Lebensqualität gelangt - Er macht Menschen fit - für das Zeitalter der Sonne

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OEKONEWS: Herr Eidenhammer, Sie begeistern Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien. Wie sind Sie dazu gekommen?

In der HTL hatten wir einen Professor, der mit uns Biogasanlagen in Vorarlberg besucht hat und da habe ich gemerkt, wie viele verschiedene Rohstoffe, rund ums Haus ungenutzt und brach liegen. Biomasse für Gasproduktion, Sonnenblumen für Treibstoffe, Sonne und Holz für Strom und Wärme, ...

Uns wird eingeredet, wir sollen Gas aus Russland und Öl aus Saudi-Arabien kaufen - Konsequenzen für Umwelt und Gesellschaft sind egal – Hauptsache Geld verdienen. Das Märchen vom billigen Öl und vom sauberen Erdgas glauben zum Glück immer weniger Menschen.

OEKONEWS: Wie hat alles angefangen, was waren ihre ersten Projekte?

1984 habe ich mit Freunden in Kenya Minibiogasanlagen gebaut. 3 Stück Kuhfladen reichten für 1 Stunde kochen oder 3 Stunden Licht. 1997 errichteten wir auf unserem Wohnblock eine 120m² thermische Solaranlage sowie eine 2 KWP Photovoltaikanlage, weiters sparten wir 1.000.000 Liter Wasser ein und reduzierten den Gasverbrauch von 84.000m³ auf 55.000 m³.
Durch einen Zeitungsartikel ‘Ludwig Eidenhammer - Hausmeister der Sonne’ folgten Anfragen und so wurde aus einer Idee eine Beratungsfirma.

Als Firma begleiteten wir die erste energieautarke Kirche in Linz Guter Hirte, errichteten die größte thermische Fassadenanlage in Österreich, optimierten eine Hotelanlage auf Menorca - durchgeführt mit 15 SchülerInnen aus den Berufsschulen.

Heute begleiten wir Gemeinden, Pfarren, Firmen und Hotels – einfach Menschen, die den vielfältigen Nutzen der Erneuerbaren Energieträger (EET) erkennen, und sich unter anderem auch wegen der laufend steigenden Energiekosten wirtschaftlich Sorgen machen.

OEKONEWS: Was haben Sie persönlich umgesetzt?

Wir betreiben eine eigene Photovoltaikanlage mit 3 kWp und sind im Besitz einer 12 kW-
PV- Anlage auf dem Dach vom FC Superfund in Pasching. Von der großen Solarthermischen Anlage auf unserem Wohnblock gehören uns genau 6 m². Wir fahren bei Kurzstrecken mit Solarmobilen. Wir betreiben eine eigene Biodieseltankstelle. Wir beziehen ökologischen Strom von der Firma oekostromAG und haben bei 8 Windkraftbetreibern Beteiligungen. Mein Geld liegt nicht sinnlos auf der Bank, sondern vermehrt sich durch Wind und Sonne. Die Sonne zahlt einfach mehr Zinsen, ist KEST frei und ich muss nicht laufend Zinsen feilschen.

OEKONEWS: In welcher Zeit amortisieren sich ihre Anlagen?

Über Amortisation mache ich mir keine Gedanken. Weder mein Auto, noch irgendein Elektrogerät spielt mir einen Cent retour. Ich weiß, dass sich alle Investitionen in ca. 5 bis 14 Jahre amortisieren, warum soll ich mich mit der sinnlosen Rechnerei aufhalten. Da geht es in Wirklichkeit immer nur darum, dass jemand recht haben will. Ich will unabhängig sein und das haben wir nach gut 10 Jahren mehr als geschafft. Heute freue ich mich, wenn der Wind kräftig weht, die Sonne scheint, und Regen die Kleinwasserkraftwerke speist.

OEKONEWS: Wie sehen Sie die aktuelle Situation im Bereich der erneuerbaren Energie?

Das muss man differenzierter sehen. Global glaube ich, dass wir es schaffen werden. Deutschland ist 2004 erstmals neben dem Ausbau der Windenergie auch im Bereich der Photovoltaik die Nummer 1 geworden, gefolgt von Japan und den USA. Deutschland verbaute alleine im Jahr 2004 300 MW (2,1 Mio m²) photovoltaische Leistung. Das Ziel in Deutschland lautet 2005 ca. 400 MW zu installieren. Anders in Österreich, hier verlieren wir Fachkompetenz und müssen zusehen, wie Firmen im Nachbarland unter ‘Energiekosten’ Erträge verbuchen und unsere Unternehmen mit jährlich steigenden Aufwänden zu kämpfen haben. Wenn wir uns in geschätzten 7 Jahren am Wirtshausstammtisch treffen, können wir nur mehr darüber jammern, dass deutsche Betriebe so konkurrenzfähig anbieten können.

Wer in Oberösterreich wohnt hat Glück und kann sich mit einer Investitonssumme von ca. € 10.000,- im Bereich Strom unabhängig machen. (3.000 kWh Strom mit der Sonne produzieren.), wechselt er zur Firma Oekostrom, so bekommt er sogar eine 1:1 Vergütung.

OEKONEWS: Überall in Ihrem Büro sieht man das „H2sun- Logo“, was bedeutet es?

H2sun schreibt man und ‘age to sun’ spricht man. Es steht für das Zeitalter der Sonne. Wer eine solarthermische Anlage, eine Photovoltaikanlage besitzt, mit einer Biomasseanlage heizt, kein Öl und kein Gas verbrennt und ökologischen Strom bezieht, der erfüllt die age2sun Kriterien. Weiters legen wir Wert auf fair gehandelte Produkte. Wir betreiben auch eine Homepage unter www.age2sun.at bzw. www.h2sun.at und berichten dort über gelungene Projekte und über Energieeinsparungsmöglichkeiten.

OEKONEWS: Haben sie einen Tipp für unsere LeserInnen?

Handeln.

Herr Eidenhammer, vielen Dank für das Gespräch.

(Anmerkung des Redakteurs: Nach dem Gespräch mit Ludwig wollte ich das Auto nach Hause schieben.....)

Michael Reichhardt für Oekonews.at


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